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5 Juli 2017

Gefahren kennen: Hitzewelle

Welche Gefährdungen gibt es für die Schweizer Bevölkerung? Wie könnte ein grosses Schadenereignis in der Schweiz konkret ablaufen? Welche Auswirkungen hätte dies auf Mensch, Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft in der Schweiz? Und was können Sie selber tun, um sich besser zu schützen?

Mit der nationalen Gefährdungsanalyse von „Katastrophen und Notlagen Schweiz“ schafft das Bundesamt für Bevölkerungsschutz BABS Grundlagen für die vorsorgliche Planung und Ereignisvorbereitung. In diesem Rahmen wird für jede untersuchte Gefährdung ein Referenzszenario definiert. Damit gibt das BABS wissenschaftlich fundierte und breit abgestützte Antworten auf die einleitend gestellten Fragen. Im Alertswiss-Blog informieren wir Sie regelmässig über die Ergebnisse dieser Gefährdungsanalyse.

Dieses Jahr erlebte die Schweiz die ersten extrem warmen Tage schon Mitte Juni. Der heisse Sommer von 2015 ist dabei vielen in Erinnerung gerufen worden. Auch damals warnte MeteoSchweiz bereits im Juni vor einer bevorstehenden Hitzewelle. Was bei vielen Sommergefühle auslöste und Badewetter garantierte, war für einen Teil der Bevölkerung eine ernstzunehmende Gefährdung. Extreme Hitze stellt vor allem für verletzliche Bevölkerungsgruppen, d.h. älteren Menschen, Kranke, Säuglinge, Kleinkinder und Schwangere eine Gefährdung dar. Es wird geschätzt, dass über 800 Personen in der Schweiz den extremen Temperaturen vor zwei Jahren erlagen.

Worum geht es?

Eine Hitzewelle ist eine längere Periode extremer Hitzebelastung, welche die menschliche Gesundheit gefährden kann. Hitze wird vor allem bei hoher Luftfeuchtigkeit zum Problem. Hitzewarnungen (von MeteoSchweiz) basieren deshalb auf einer berechneten Grösse aus Temperatur und relativer Luftfeuchtigkeit (Heat Index). Gefährliche Hitzewellen ergeben sich vor allem bei anhaltenden hochsommerlichen Schönwetterlagen unter Zufuhr heissfeuchter Luftmassen.

Ereignisbeispiele

Referenzszenario: Möglicher Ereignisablauf bei einer Hitzewelle

Das Referenzszenario Hitzewelle geht von zwei Wochen extremer Hitze im Monat Juli aus, der bereits eine längere Periode mit verhältnismässig hohen Temperaturen voranging. Die Hitzewelle betrifft das ganze Flachland und die tieferen Hügellagen Die Höchsttemperaturen liegen über 35 °C und sind gepaart mit hoher Luftfeuchtigkeit.. Auch nachts sinken die Temperaturen in den Bevölkerungszentren kaum mehr unter 20 °C (Tropennacht) und es ist meist windstill. Es kommt nur vereinzelt zu vorübergehenden Abkühlungen nach lokalen und heftigen Sommergewittern. Ab dem fünften Tag überschreiten die Ozonwerte aufgrund der Sonneneinstrahlung und Temperaturen in weiten Teilen des Landes die Grenzwerte massiv. Das Szenario liegt damit im Bereich des Hitzesommers 2003.

4-5 Tage vor der Hitzewelle gibt MeteoSchweiz eine Warnung der Stufe 4 aus und verschiedene Behörden geben Verhaltensempfehlungen für die Bevölkerung und Gesundheitsdienste aus. In einzelnen Kantonen werden Hitzepläne aktiviert und spezielle Massnahmen zum Schutz verletzlicher Personengruppen ergriffen.

Zwei Wochen nach dem ersten Hitzetag wird das Hoch über Mitteleuropa von einer Kaltfront begleitet und von heftigen Gewittern verdrängt. Kühlere Luftmassen führen zu einer Beruhigung der Situation innert weniger Stunden. Mit dem Austausch der Luftmassen sinkt auch die Ozonbelastung wieder deutlich unter den Grenzwert.

Referenzszenario: Mögliche Auswirkungen

Die hohen Temperaturen führen dazu, dass vor allem ältere Menschen, Neugeborene und Kleinkinder, sowie solche mit Kreislaufproblemen unter der schwülen Hitze leiden. Aber auch schwangere Frauen, Personen, die im Freien Arbeiten, und Sportler sind davon betroffen. Bereits in den ersten vier Tagen der Hitzewelle sind Kreislaufkollapse und Hitzeschläge bei gefährdeten Personengruppen zu verzeichnen, insbesondere nachdem die Temperatur am vierten Tag tagsüber die 35 °C-Marke überschreitet. Aufgrund der hohen Ozonbelastung tagsüber verspüren Teile der Bevölkerung Husten, Augenreizungen und Kopfschmerzen.

Es wird geschätzt, dass zwischen 400 und 500 Personen der Hitze erliegen und rund 2‘500 Personen ambulant oder stationär für einen oder mehrere Tage in einem Spital behandelt werden müssen. Während der Hitzewelle sind mehrere Tausend Personen auf zusätzliche Unterstützung und Betreuung angewiesen.

Während der Hitzewelle treten Schäden an Infrastrukturen auf. An exponierten Stellen beginnt sich der Strassenbelag teilweise zu lösen. Der Schienenverkehr ist zum Teil gestört, weil sich Geleise verbiegen und ersetzt werden müssen.

Risikobeurteilung und Vergleich mit anderen Risiken

Im Rahmen der Nationalen Risikoanalyse wird geschätzt, dass sich eine Hitzewelle mit dem geschilderten Ausmass in der Schweiz einmal in 20 Jahren ereignet. Das monetarisierte Schadensausmass wird wesentlich durch die verursachten Todesopfer und Gesundheitskosten beeinflusst und beläuft sich auf über 3 Milliarden Franken. Die hohe Eintrittswahrscheinlichkeit und das verhältnismässige grosse Schadenausmass führen dazu, dass Hitzewellen zu den grössten Risiken in der Schweiz gezählt werden müssen. Aufgrund der Klimaveränderung muss davon ausgegangen werden, dass sich Ereignisse wie der Hitzesommer 2003 und 2015 in Zukunft häufen und das Risiko entsprechend steigt.

Vorsorge und Verhaltensanweisungen: Was können Sie tun?

Die meteorologischen Dienste sind heute in der Lage, Hitzewellen mit einer sehr hohen Genauigkeit vorherzusagen. Entsprechend lassen sich frühzeitig Verhaltensmassnahmen kommunizieren, mit denen die Auswirkung auf die Gesundheit sowie auf körperliche und geistige Leistungsfähigkeit vermindert werden können:

  • Vermeiden Sie nach Möglichkeit Aussenaktivitäten und überanstrengen Sie sich nicht. Schützen Sie sich vor direkter Sonneneinstrahlung (Schatten, Bekleidung, Kopfbedeckung usw.).
  • Trinken Sie viel Wasser und achten Sie auf leichtes Essen.
  • Halten Sie sich nach Möglichkeit in kühlen Gebäuden und Räumen auf (Kellerräume, Schulen, Bibliotheken, etc.)

Bereit für alle Fälle

Beachten Sie die Empfehlungen zu Notvorrat und Notfallapotheke sowie zu den Vorbereitungen betreffend Notunterkunft und Notgepäck im Alertswiss Notfallplan.

Das Bild zeigt ein iPad und ein iPhone nebeneinander auf einem Tisch. Auf beiden ist der Alertswiss-Notfallplan geöffnet.

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