Nationale Risikoanalyse KNS 2025 – Bereich Natur
Die nationale Risikoanalyse KNS untersucht ein breites Spektrum an bevölkerungsschutzrelevanten Gefährdungen und macht deren Risiken systematisch vergleichbar. In diesem Blogpost beleuchten wir die 16 analysierten Gefährdungen im Bereich Natur. Die Top 3 Risiken der Naturgefahren sind Trockenheit, Sturm und Hitzewelle – da sie häufig auftreten und beträchtliche Schäden verursachen. Die drei Naturgefahren mit dem grössten Schadensausmass hingegen sind Erdbeben, Hochwasser und Sturm.
Hintergrund zur nationalen Risikoanalyse KNS
Die nationale Risikoanalyse «Katastrophen und Notlagen Schweiz» (KNS) stellt risikobasierte Planungsgrundlagen für Organisationen bereit, die strategisch oder operativ für die Bewältigung von Katastrophen und Notlagen verantwortlich sind. Im Rahmen der vierten Auflage KNS 2025 wurden insgesamt 44 Gefährdungsdossiers analysiert. Dabei wurden 41 überarbeitet und 3 neu dazu genommen. Weiterführende Informationen zur nationalen Risikoanalyse finden Sie im Blogpost vom 2. März 2026. Hier setzen wir einen Fokus auf die 16 untersuchten Naturgefahren.
Vielfalt an Naturgefahren in der Schweiz
Die Schweiz mit ihren zahlreichen Gebirgen und Gewässern ist diversen Naturgefahren ausgesetzt und erlebt regelmässig Sturzprozesse wie Fels- und Bergstürze sowie weitere gravitative Naturgefahren wie Hochwasser und Lawinen. Hinzu kommen meteorologische Risiken wie Stürme, Trockenperioden sowie Hitze- und Kältewellen, die das gesamte Land betreffen und relativ häufig auftreten. Im Vergleich dazu sind starke Erdbeben weniger häufig, stellen jedoch die Naturgefahr mit dem höchsten Schadenspotenzial dar. Seltene, aber nicht zu vernachlässigende Gefährdungen gehen zudem von Ereignissen aus dem Weltall aus, etwa von Sonnenstürmen oder Meteoriteneinschlägen. Letztlich gehören auch schleichende Gefährdungen wie die Ausbreitung invasiver Arten zum Bereich Natur.
Zwei Gefährdungen unter der Lupe
Das Szenario Trockenheit hat das höchste Risiko unter den Naturgefahren – dies aufgrund der hohen Eintrittswahrscheinlichkeit sowie dem hohen Schadensausmass (siehe Abbildung 1). So kann es zu Beeinträchtigungen der Ökosysteme kommen, etwa durch ausgetrocknete Fliessgewässer, Moore und Seen sowie durch eine verminderte Widerstandsfähigkeit der Pflanzen. Auch Menschen, insbesondere Personen mit Atemwegserkrankungen, sind von Trockenperioden betroffen. Die Trinkwasserversorgung kann in der Schweiz zwar selbst bei grossen Trockenperioden sichergestellt werden, lokal sind jedoch Wassersparappelle oder Bewässerungsverbote nötig. Des Weiteren entstehen grosse wirtschaftliche Schäden aufgrund erheblicher Ernteausfälle. Der Wassermangel beeinträchtigt ebenfalls Energieproduktion, Schifffahrt, Tourismus, Industrie und Brandbekämpfung signifikant.
Die stets aktuelle Lage der Trockenheit in der Schweiz wird auf der nationalen Trockenheitsplattform angezeigt.

Das Szenario Erdbeben wird als die Königsdisziplin unter den Naturgefahren bezeichnet, da es die Naturgefahr mit dem grössten Schadenspotential darstellt (siehe Abbildung 2). Bei den Todesopfern sowie Verletzten und Kranken ist das potenzielle Ausmass sehr hoch. Zudem ist im Vergleich zu anderen Gefährdungen die Anzahl Unterstützungsbedürftiger aufgrund der Gebäudeschäden und der Gefahr von Nachbeben vergleichsweise hoch. Erdbeben führen zu massiven Vermögensschäden, Schäden an Kulturgütern und einer erheblichen Beeinträchtigung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Ein schweres Erdbeben zählt somit zu den Szenarien im Bereich Natur mit der breitesten Auswirkung über sämtliche Schadensbereiche hinweg.

Einfluss des Megatrends Klimawandel
Die Trendanalyse Bevölkerungsschutz 2035 identifiziert zwölf Trends, die in den kommenden Jahren die Vorbeugung, Bewältigung und Regeneration von Ereignissen massgeblich beeinflussen werden. Einer dieser Trends ist der Klimawandel, der insbesondere die Ausprägung und Intensität von Naturgefahrenereignissen in der Schweiz beeinflusst.
Der Klimawandel erhöht in der Schweiz Häufigkeit und Intensität von Extremereignissen wie Hitzewelle, Trockenheit und Starkniederschläge und verstärkt das Risiko weiterer Naturgefahren wie Überschwemmungen, Waldbrände und Murgänge. Dadurch sind nicht nur Dörfer und Infrastrukturen, sondern auch kritische Versorgungssysteme wie Strom- und Verkehrsnetze gefährdet. Zudem beeinflusst der Klimawandel indirekt weitere Gefährdungen wie Einschränkungen der Rheinschifffahrt, begünstigt die Ausbreitung invasiver Arten und Krankheiten. Diese Entwicklungen wurden bei der Überarbeitung der Gefährdungsszenarien für die nächsten 5 bis 10 Jahre berücksichtigt.
Fazit
Die nationale Risikoanalyse KNS 2025 zeigt, dass Naturgefahren auch künftig zu den zentralen Risiken für die Schweiz zählen. Klimawandel, gesellschaftliche Entwicklungen und die hohe Abhängigkeit von kritischen Infrastrukturen verstärken sowohl die Eintrittswahrscheinlichkeit als auch die Auswirkungen vieler Ereignisse und können zunehmend kaskadierende Effekte auslösen.
Die Analyse unterstreicht damit die Bedeutung einer vorausschauenden, risikobasierten Planung sowie einer engen Zusammenarbeit zwischen Bund, Kantonen, Gemeinden und weiteren Akteuren. Nur durch eine kontinuierliche Weiterentwicklung von Prävention und Vorsorge, Ereignisbewältigung und Regeneration kann die Resilienz der Schweiz gegenüber Naturgefahren weiter gestärkt werden.


