18 März 2026

Wenn der Schnee zur Gefahr wird: Starkschneefälle verstehen

Starke Schneefälle gehören in der Schweiz zum Winter dazu – doch wenn innerhalb kurzer Zeit aussergewöhnlich viel Schnee fällt, kann dies landesweit zu gravierenden Problemen führen. Die nationale Risikoanalyse «Katastrophen und Notlagen Schweiz» (KNS) 2025 des Bundesamts für Bevölkerungsschutz BABS zeigt, welche Auswirkungen langandauernder, starker Schneefall auf die Bevölkerung, Infrastruktur und Versorgung haben kann.

Was kann passieren?

Anhaltende Starkschneefälle beeinträchtigen den Strassen- und Schienen- und Luftverkehr. Besonders in Bergregionen müssen Verkehrswege gesperrt werden, doch auch im Mittelland kann die Situation rasch kritisch werden (Abbildung 1). Hohe Schneelasten können Dächer beschädigen oder zum Einsturz bringen, Dachlawinen auslösen und Bäume zum Umstürzen bringen. Zusätzlich drohen Strom- und Kommunikationsausfälle, etwa durch beschädigte Leitungen.

Abbildung 1: Starker Schneefall im November 2024 legt den Alltag in weiten Teilen der Schweiz lahm [Foto: Peter Klaunzer (Keystone)]

Möglicher Ereignisablauf bei starkem Schneefall (Szenario KNS 2025)

In einem bereits sehr schneereichen Winter führt Mitte Februar eine stationäre Front grosse Mengen feuchter, maritimer Luftmassen heran. Im Mittelland kommt es zu drei Tagen dauernden und intensiven Schneefällen mit einer Neuschneedecke von 50 bis 70 cm, vereinzelt sogar bis 80 cm. Regional auftretende starke Windböen führen zusätzlich zu Schneeverfrachtungen.

Obwohl die Räumequipen rund um die Uhr arbeiten, wird die Situation sowohl im Strassen- als auch im Schienenverkehr mit der Zeit prekärer. Schon bald muss auf die Räumung von Nebenstrassen verzichtet werden, und sogar Teile der Autobahn sind nur noch einspurig befahrbar.

Mit der Anspannung der Situation werden immer mehr Gemeindeführungsstäbe sowie regionale und kantonale Führungsstäbe aktiviert. Um die technischen Betriebe bei der Schneeräumung zu unterstützen, bieten die kantonalen Führungsstäbe den Zivilschutz auf und beantragen Unterstützung durch die Armee. Dennoch kommt der Verkehr nach rund zwei Tagen vielerorts ganz zum Erliegen. Tausende Personen müssen während der drei Tage aus ihren steckengebliebenen Fahrzeugen evakuiert werden. Zivilschutzanlagen, Turnhallen und weitere Räumlichkeiten werden bereitgestellt, um gestrandete Autoinsassen unterzubringen und zu versorgen.

Teilweise werden oberirdische Stromleitungen und Antennen durch umstürzende Bäume oder durch die Schneelast beschädigt, sodass es zu lokalen Stromunterbrüchen und Ausfällen der Telekommunikation kommt. Die Witterungsbedingungen und die Verkehrsverhältnisse erschweren die Reparaturen der Leitungen.

In den Notrufzentralen gehen zahlreiche Meldungen über Unfälle und vermisste Personen ein. Die Rettungsdienste haben selbst zunehmend Probleme, die Unfallorte zu erreichen. Eine Rettung mit Helikoptern ist bei der schlechten Sicht meist nicht möglich.

Nach zwei Tagen macht sich in den Geschäften der mangelnde Nachschub an Gütern des täglichen Gebrauchs bemerkbar. Vieles kann nicht mehr zeitgerecht und in ausreichenden Mengen an den Bestimmungsort transportiert werden, weshalb sich insbesondere in Lebensmittelläden die Regale leeren. Es kommt zu Hamsterkäufen, welche die Situation verschärfen.

Nach drei Tagen hören die Schneefälle auf und werden durch ein stabiles Hochdruckgebiet abgelöst. Die Temperaturen gehen zurück und bleiben während der nächsten Tage unter dem Gefrierpunkt. Die Situation entspannt sich jedoch nur langsam. In mehreren Gebieten des Schweizer Mittellands liegen verbreitet 50 bis 70 cm, vereinzelt sogar bis 80 cm Schnee. So bleiben viele Verkehrswege weiterhin blockiert, Stromleitungen und Telekommunikation unterbrochen und Gebäude einsturzgefährdet.

Die Räumungsmannschaften kommen nun jedoch rasch voran. Die meisten Verkehrswege sind zwei Tage nach Ende der Schneefälle geräumt, wodurch sich auch die Knappheit an einzelnen Konsumgütern rasch entschärft. Ebenso zügig wird die Reparatur der beschädigten Strom- und Telefonleitungen aufgenommen, sodass innerhalb von drei Tagen nach dem Ende der Schneefälle fast alle provisorisch repariert sind.

Auswirkungen auf Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft (Szenario KNS 2025)

Starke Schneefälle führen zu einer deutlichen Zunahme von Verkehrsunfällen. Zahlreiche Personen werden verletzt oder müssen unterkühlt aus steckengebliebenen Fahrzeugen gerettet werden. Zudem kann die hohe Schneelast Dächer zum Einsturz bringen und Menschen gefährden. Die schlechten Strassenverhältnisse erschweren die medizinische Notversorgung erheblich, während Rettungen aus der Luft aufgrund eingeschränkter Sicht oft nicht möglich sind.

Gleichzeitig hat das Ereignis erhebliche Auswirkungen auf Wirtschaft und Infrastruktur. Der Strassen-, Schienen- und Luftverkehr ist stark eingeschränkt, es kommt zu Zugsausfällen und Flugstreichungen. Schäden an Gebäuden, Infrastruktur sowie Strom- und Telekommunikationsausfälle beeinträchtigen Betriebe und Lieferketten, was zu Produktions- und Versorgungsengpässen bei Gütern des täglichen Bedarfs, Lebensmitteln und Medikamenten führt. Der materielle Gesamtschaden wird im Referenzszenario auf rund 350 Millionen Franken geschätzt.

Wie das KNS-Szenario Einsatzorganisationen unterstützt

Das KNS-Referenzszenario «Starker Schneefall» unterstützt Bund, Kantone und Gemeinden als wichtige Planungsgrundlage für den Bevölkerungsschutz. Es hilft Einsatzorganisationen, sich gezielt auf seltene, aber folgenschwere Ereignisse vorzubereiten, indem es kritische Infrastrukturen, Ressourcenbedarf und Koordinationsprozesse sichtbar macht. Während eines Ereignisses erleichtert das Szenario die Lagebeurteilung, Priorisierung von Massnahmen und die Zusammenarbeit zwischen Führungsstäben und Einsatzkräften. Nach dem Ereignis dient es zudem als Orientierung für die rasche Wiederherstellung von Infrastrukturen und die Planung von Aufräum- und Unterstützungsarbeiten.

Was können Sie tun?

Obwohl Ereignisse, wie sie das Referenzszenario beschreibt, in der Schweiz nur selten vorkommen, ist es wichtig zu wissen, wie Sie sich im Ereignisfall verhalten sollten. Grundsätzlich gelten bei starkem Schneefall folgende Verhaltensanweisungen:

  • Meiden Sie die Nähe zu Bäumen und Dächern (Gefahr durch umstürzende Bäume, abbrechende Äste, Dachlawinen).
  • Bleiben Sie bei erhöhter Lawinengefahr in den Gebäuden und schliessen Sie die Fensterläden bergseits und seitlich.
  • Holen Sie Informationen über die aktuelle Entwicklung ein und befolgen Sie die Anweisungen der lokalen Behörden.

Je nach Intensität der Schneefälle können weitere Verhaltensanweisungen herausgegeben werden. Es gilt daher, immer den Anweisungen der Behörden und Einsatzkräften zu folgen, die via Radio übermittelt werden.

Es ist auch ratsam, sich im Allgemeinen auf Notfälle vorzubereiten. Eine Grundausstattung für den Haushalt – Trinkwasser, haltbare Lebensmittel, wichtige Medikamente und ein Camping- oder Gaskocher – kann einen erheblichen Unterschied machen, wenn Sie eingeschneit sind oder die Lieferketten für einige Tage unterbrochen sind. Es handelt sich um eine geringe Investition, die sich weit über den Winter hinaus auszahlt.

Weitere Informationen

  • Die vollständige Ausführung der Informationen, die in diesem Blogartikel angesprochen werden, finden Sie im Gefährdungsdossier Starker Schneefall.
  • Beachten Sie die Empfehlungen zu Notvorrat und Notfallapotheke sowie zu den Vorbereitungen betreffend Notunterkunft und Notgepäck im Notfallplan – ALERTSWISS
  • Informationen zu weiteren Gefahren finden Sie im Bereich Gefahren kennen.
  • Weitere Informationen zum Verhalten bei starken Schneefällen, Frost und Strassenglätte finden Sie im Naturgefahrenportal, wo auch die aktuelle Lage sowie Warnungen herausgegeben werden.
  • Informationen zur Wetterlage sowie eine aktuelle Einstufung der Situation finden Sie ausserdem bei MeteoSchweiz.

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