3 Juli 2026

Trockenheit – wenn das Wasser knapp wird

Selbst in der Schweiz, im Wasserschloss Europas, kann es mit dem Klimawandel zunehmend Wassermangel und Trockenheit kommen. Durch geringen Niederschlag und starke Verdunstung kann ein Wasserdefizit entstehen, was über einen längeren Zeitraum zu einer Trockenheit führen kann. Die Umwelt und Landwirtschaft spürt je nach Jahreszeit schon bereits nach eins bis drei Monaten mit unterdurchschnittlichen Niederschlagsmengen negative Auswirkungen, während die Energiewirtschaft oder die Wasserversorgung erst bei längeren Perioden betroffen sind.

Wann kommt es zu einer Trockenheit?

Die Intensität und Dauer von Trockenperioden hängt von verschiedenen Faktoren ab, beispielsweise Niederschlagsdefizit, Bodenfeuchte, Wasserstand von Flüssen und Seen oder Grundwasser- und Schneemenge (Wasserspeicher).

Geringe Niederschläge und starke Verdunstung über längere Zeit können zu Bodentrockenheit, tiefe Grundwasserspiegel und tiefere Wasserstände von Seen und Fliessgewässern führen. Trockenheit kann auch durch erhöhten Wasserbedarf (Privathaushalte, Wirtschaft und Landwirtschaft) verschärft oder verursacht werden.

Für die Umwelt und die Landwirtschaft ist vor allem die Bodenfeuchte von Bedeutung. Gewässerpegel und Abfluss­mengen sind für die landwirtschaftliche Bewässerung, die Schifffahrt und die Energieproduktion besonders wichtig. Für die Trinkwas­serversorgung wiederum ist der Grundwasserspiegel entscheidend. Eine besonders extreme Trockenheit betrifft in der Regel eine grossflächige Region (z. B. die gesamte Nordschweiz und die Nachbarländer).

Trockenheit tritt häufig zusammen mit Hitzewellen oder hohen Temperaturen auf. Sie kann jedoch auch unabhängig davon entstehen – auch im Winter – oder nach dem Ende einer Hitzeperiode weiterhin bestehen bleiben. Zudem erhöht Trockenheit, insbesondere in Kombination mit Hitze und Wind, die Gefahr von Waldbränden. Auch die Rheinschifffahrt kann durch anhaltende Trockenheit aufgrund tiefer Wasserstände beeinträchtigt werden.

Mehr Details zu einem möglichen Trockenheitsszenario und erwarteten Auswirkungen finden Sie im Gefährdungsdossier der nationalen Risikoanalyse «Katastrophen und Notlagen Schweiz».

Ein Blick in die Zukunft: mehr regenfreie Tage im Sommer

Zwar gilt die Schweiz als Wasserschloss Europas, aber aufgrund des Klimawandels kommt es immer häufiger zu regenarmen Sommern und schneearmen Wintern. Es fällt nicht nur seltener Regen – wegen der höheren Temperaturen verdunstet auch mehr Feuchtigkeit als bisher. Die Böden werden selbst in Perioden mit gleichbleibenden Niederschlagssummen trockener. Mit dem Rückgang der Gletscher und der Schneedecke gehen zudem wichtige Wasserspeicher verloren, welche in Frühling und Sommer bisher die Abflüsse und Wasserstände stützten. Da während der Sommermonate in Zukunft mit einem Rückgang des Niederschlags zu rechnen ist, werden die Auswirkungen von Trockenheit stärker spürbar sein.

Mehr Informationen zu den zukünftigen Entwicklung finden Sie unter: Trockenere Sommer – MeteoSchweiz.

Ein Beispiel aus der Schweiz: Die anhaltend hohen Temperaturen und Trockenheit im Sommer 2022 führten zu tiefen Wasserständen, zu warmen Gewässern und zu einer hohen Waldbrandgefahr. An grossen Flüssen wie Aare, Limmat, Reuss und Rhein wurden markant unterdurchschnittliche Pegelstände gemessen. Die Wasserstände vieler Seen waren tiefer als sonst in den Sommermonaten üblich.

Mögliche Auswirkungen

Trockenheit wurde bei der nationalen Risikoanalyse KNS 2025 als eines der Top 5 grössten Risiken für die Schweiz eingeschätzt – zum einen aufgrund der relativ hohen Eintrittswahrscheinlichkeit und zum anderen aufgrund der hohen Schäden. Die Folgen einer Trockenheit können vielfältig sein und betreffen unterschiedliche Lebensbereiche.

Die öffentliche Trinkwasserversorgung kann schweizweit fast überall durchgehend dank der Wasserverbundnetzwerke und der Tankwageneinsätze gewährleistet werden. Der gewohnte Lebensstandard kann jedoch nicht immer garantiert werden und lokale oder kantonale Behörden können die Wassernutzung einschränken wie beispielsweise durch Autowasch- oder Gartenbewässerungsverbote. Die trockenen Böden erhöhen auch den Feinstaub- und Schadstoffgehalt der Luft und können zu einer verschlechterten Luftqualität führen. Besonders für Menschen mit schwerem Asthma oder anderen Atemwegserkrankungen ist das eine weitere gesundheitliche Belastung.

Darüber hinaus sind auch Umweltschäden wahrscheinlich. Grosse Teile des Schweizer Waldes und andere Ökosysteme leiden unter der Trockenheit. Die Ökosysteme an stehenden und Fliessgewässern können teilweise stark beeinträchtigt werden, was beispielsweise Fischsterben und -umsiedlungen oder Notabfischungen mitsichbringt. Durch Folgeschäden können auch Schutzwälder in ihrer Funktion langfristig beeinträchtigt werden.

Auch die Wirtschaft, besonders die Landwirtschaft und die wirtschaftliche Landesversorgung ist stark betroffen. Geringe Bodenfeuchte führt zu Ernteausfällen und Mehrkosten für den Zukauf von Raufutter und Bewässerung. Wobei je nach Bewässerungsbedarf Kantone wiederum aufgrund tiefer Pegel in Fliessgewässer vermehrt Entnahmestopp für die Bewässerung in der Landwirtschaft verhängen müssen. Niedrige Flusspegelstände und steigende Wassertemperaturen schränken zudem die Stromproduktion der Flusskraftwerke während einer Trockenheit um bis zu 25 % ein. Auch die Rheinschifffahrt ist regelmässig von tiefen Wasserpegeln beeinträchtigt. Binnencontainerschiffe können bei tiefen Pegeln nur noch mit reduzierter Ladung sicher fahren.

Weitere Informationen zu den Auswirkungen finden Sie im KNS Gefährdunsdossier Trockenheit, auf der PLANAT Webseite, und der nationalen Trockenheitsplatform.

Verhaltensempfehlungen für die Bevölkerung

Trockenheit ist eine schleichende und oft unterschätzte Naturgefahr. Die meteorologischen Bedingungen spielen eine grosse Rolle. Es ist aber dennoch möglich, sich auf eine Trockenheit vorzubereiten und im Ereignisfall richtig zu handeln:

Vor dem Ereignis

  • Informieren Sie sich über die aktuelle Trockenheitssituation in Ihrer Region auf der nationalen Trockenheits-Plattform.
  • Gehen Sie sparsam mit den Wasser um.

Während der Trockenheit

  • Informieren Sie sich über die Trockenheits-Plattform.
  • Gehen Sie sparsam mit den Wasser um.
  • Befolgen Sie Anweisungen der lokalen Behörden.
  • Informieren Sie sich über die lokale Gefahrensituation, wenn man im Freien ein Feuer machen will (www.waldbrandgefahr.ch).

Nach dem Ereignis

Was kann der Staat machen?

Um besser auf Trockenheit vorbereitet zu sein, können Bevölkerungsschutz-Akteure auf das Toolkit für Trockenheitsresilienz des Center for Security Studies der ETH Zürich zurückgreifen. Ein zentraler Aktionspunkt ist der Aufbau und die Integration eines nationalen Frühwarnsystems für Trockenheit, das durch die Nationale Trockenheitsplattform des Bundes (BAFU, MeteoSchweiz, swisstopo) geboten wird. Die Trockenheitsplattform stellt Informationen zur Früherkennung (Monitoring und Vorhersage) und Warnungen für die ganze Schweiz bereit.

Ein weiteres Beispiel der Aktionspunkte sind Trockenheitsübungen wie die Tabletop-Übungen «Drought», die erstmals 2024 durchgeführt wurde und jetzt vom BABS den Kantonen zur Verfügung steht.

Bild: Lac des Brenets – 28.07.2022: Aufgrund des tiefen Wasserstands musste die Schifffahrt auf dem Lac des Brenets (NE) am 14. Juli 2022 eingestellt werden. — © Edith Oosenbrug/BAFU [Sommer 2022: Hitzewelle und Trockenheit]

Dieser Artikel wurde vom Team „Nationale Risikoanalyse“ des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz (BABS) verfasst.

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