27 August 2020

Ressourcenmanagement des Bundes während der Corona-Pandemie

Der Mangel an Schutzmasken war ein prägendes Thema zu Beginn der Corona-Krise. Das Ressourcenmanagement des Bundes im Bundesamt für Bevölkerungsschutz BABS half mit, die anfänglich knappen Vorräte da einzusetzen, wo sie am dringendsten gebraucht wurden. Dafür mussten die ursprünglich eingespielten Abläufe an eine neue und unerwartete Situation angepasst werden.

Verschiedene Übungen des Bevölkerungsschutzes seit den 90er Jahren haben gezeigt, dass bei grossen Katastrophen die regional verfügbaren Mittel zur Bewältigung des Ereignisses oft nicht ausreichen. Dies gilt besonders für so genannte „Schlüsselressourcen“, also hoch spezialisierte Fähigkeiten und Mittel, die nur an wenigen Orten und in geringer Zahl vorhanden sind. Ein typisches Beispiel dafür sind Hundesuchteams (Urban Search and Rescue, USAR), wie sie nach einem Erdbeben zur Bergung Verschütteter eingesetzt werden. Als Antwort auf diese Problematik entwickelte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz BABS im Auftrag des Bundesstabes Bevölkerungsschutz das Ressourcenmanagement des Bundes ResMaB.

Der Mangel an Schutzmasken war ein prägendes Thema zu Beginn der Corona-Krise.

Der Grundprozess von ResMaB sieht vor, dass Begehren nach zusätzlichen Ressourcen von den Kantonen in standardisierter Form übermittelt werden und durch eine zentrale Stelle im BABS mit Angeboten anderer Kantone und weiterer Stellen abgeglichen und vermittelt werden. Beteiligt an diesem Prozess sind zahlreiche Partner, darunter die Armee und die Direktion für Entwicklungszusammenarbeit DEZA, die internationale Hilfsangebote betreut.

Die Corona-Pandemie unterscheidet sich aber von den Ausgangslagen, für die ResMaB entwickelt wurde, in zweierlei Hinsicht. Ein erster Unterscheid bestand in der Mangellage. ResMaB wurde dafür entwickelt, zwischen Akteuren mit verfügbaren Ressourcen und solchen, die zusätzliche Unterstützung benötigen, zu vermitteln. Zu Beginn der Coronakrise standen allerdings alle Partner auf der Bedarfsseite Angebote gab es fast keine. Ein zweiter Unterschied lag darin, dass nicht die typischen Mittel des Bevölkerungsschutzes wie spezialisierte Einsatzformationen, schweres Räumgerät, Zelte und Decken gefragt waren, sondern Güter für das Gesundheitswesen, in erster Linie Schutzmasken und Desinfektionsmittel.

Aus dem zentralen Lager des BABS wurden Schutzmasken, Handschuhe oder Schutzanzüge an die Kantone geliefert.

Der ResMaB Prozess wurde daher zu Beginn der Krise auf die konkrete Situation angepasst. Als „Besteller“ agierten nun nicht mehr bloss die kantonalen Führungsstäbe, sondern auch Kantonsärzte und Kantonsapotheker. Damit konnten die Gesuche in den Kantonen gebündelt und effizienter bearbeitet werden. In der heissen Phase der Corona-Pandemie (März-April 2020) war ResMaB bestrebt, jedes Begehren innert 24 Stunden zu bearbeiten und beantworten.

Um die Gesuche zu priorisieren und zu koordinieren, musste auch die „Haben“ Seite erfasst werden. Die Corona-Verordnung des Bundes verpflichtete die Kantone, ihre eigenen Bestände an Schutzmaterial regelmässig zu melden. So konnte beurteilt werden, wer wie rasch Nachschub benötigte und welche Artikel in welcher Priorität durch den Bund zu beschaffen waren.

Die Koordinationsstelle, welche Gesuche und Angebote zusammenführt, wurde um die wichtigen Akteure der Corona-Pandemie erweitert. Dazu gehörten das Bundesamt für Gesundheit BAG, der Koordinierte Bereich Sanität SANKO, das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung BWL, das Kommando Operationen, das Bundesamt für Zivildienst ZIVI und die Armeeapotheke. Je nach Art der vorliegenden Begehren wurden die nötigen Spezialisten beigezogen, bspw. die DEZA oder das Schweizerische Rote Kreuz SRK. Die Armeeapotheke spielt hierbei eine entscheidende Rolle, da sie im Auftrag des ad hoc eingesetzten Beschaffungsbeauftragten des Bundes die Aufgabe übernommen hat, auf dem internationalen Markt zusätzliches Schutzmaterial zu beschaffen.

Ressourcenkoordination: Der „runde Tisch“ aller involvierten Stellen

Der „runde Tisch“ aller involvierten Stellen erwies sich als Erfolgsfaktor für das Ressourcenmanagement. Nicht nur erlaubte er eine gesamtheitliche Beurteilung, er ermöglichte auch, zusätzlich auftretende Fragen und Probleme laufend mit den Verantwortlichen zu bearbeiten und lösen. Dazu gehörte beispielsweise der Umgang mit Exportbeschränkungen. Der Bundesrat hat im Rahmen der Pandemiebekämpfung den Export von Schutzgütern einer Bewilligungspflicht unterstellt. Exportbewilligungen können verweigert werden, wenn die Schweiz selbst Bedarf hat. Durch ResMaB konnte das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO die Gesuche rasch mit dem Bedarf in der Schweiz abgleichen und die Exporte bewilligen oder ablehnen.

Für das Ressourcenmanagement standen nur wenige Profis des Führungsgrundgebiets 4 (Logistik, Einsatz-Unterstützung) der Nationalen Alarmzentrale NAZ zur Verfügung.

Ein weiterer Erfolgsfaktor war die neu aufgebaute Datenerfassung und -bearbeitung. In einer Artikelliste musste vereinheitlicht der Bestand sowie Bedarf eines einzelnen Artikels auf verschiedenen Stufen erfasst werden. Für diese Arbeit standen nur wenige Profis des Führungsgrundgebiets 4 (Logistik, Einsatz-Unterstützung) der Nationalen Alarmzentrale NAZ zur Verfügung. Alle Prozesse wurden so aufgebaut, dass die Arbeitsschritte durch Milizpersonal nach minimaler Einführung ausgeführt werden konnten. So konnte der Durchsatz stark erhöht werden, als bis zu zehn Angehörige der Verstärkungsformation Stab Bundesrat NAZ das ResMaB unterstützten. Für die Datenauswertung wurde von Spezialisten dieser Milizformation eine Softwarelösung geschaffen, welche die Bedürfnisse des ResMaB abdeckte.

Für das noch junge Instrument ResMaB bot diese erste Pandemiephase (Frühling 2020) einen enormen Erfahrungsschatz. Über 3’000 Anfragen und Gesuche wurden innerhalb weniger Wochen bearbeitet, fast 400 Exportgesuche mussten geprüft werden. Rund 43 Millionen Schutzmasken aller Typen, 2.5 Millionen Untersuchungshandschuhe, 200’000 Operationsschürzen und vieles mehr wurde via ResMaB an die Bedarfsstellen in den Kantonen vermittelt.

So verwenden Sie eine Hygienemaske

 

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