Zecke auf einem Blatt.
31 Mai 2021

Fast die gesamte Schweiz ist ein Zecken-Risikogebiet

Falls Sie sich gerne in der Natur aufhalten, dann sollten Sie sich insbesondere im Frühsommer vor Zecken in Acht nehmen. Im Jahr 2020 erreichten die Fallzahlen von Erkrankungen durch Zeckenenzephalitis, auch bekannt unter der Bezeichnung Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), und Borreliose neue Rekordwerte. Das Labor Spiez ist am Nationalen Referenzzentrum für zeckenübertragene Krankheiten (NRZK) des BAG beteiligt.

Schon seit einigen Jahren gilt die gesamte Schweiz mit Ausnahme der Kantone Genf und Tessin fast flächendeckend als Zecken-Risikogebiet. Denn inzwischen kann man so gut wie überall unterhalb von 2000 m ü. M. von Zecken gebissen werden, die Träger von Krankheitserreger sind. Dabei handelt es sich bei den zwei häufigsten Erreger um die bakteriell übertragene Lyme-Borreliose, welche stellenweise bei bis zu 50 Prozent der Zecken nachgewiesen werden kann, sowie um das Virus, welches Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME oder auch als Zeckenenzephalitis bekannt, auslöst. Letzteres kann jedoch bei weniger als einem Prozent der Zecken nachgewiesen werden.

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Die Statistik zeigt, allen Schwankungen zum Trotz, eine in der Schweiz tendenziell stark ansteigende Anzahl an FSME-Erkrankungen in den vergangenen Jahren. Waren es in den 2000er Jahren bis um das Jahr 2015 im Schnitt jährlich100-250 Erkrankungen, so wurden 2018 knapp 400 und im Jahr 2020 bereits gar über 400 Fälle von FSME registriert.

Jährlich registrierte FSME-Fälle in der Schweiz

Daten: Bundesamt für Gesundheit BAG

Bei einem Stich durch eine mit FSME infizierten Zecke können sieben bis vierzehn Tage später grippeartige Symptome auftreten, beim Grossteil der Betroffenen treten jedoch keine Krankheitszeichen auf. Bei 5 bis 15 Prozent der Erkrankten kommt es nach einem beschwerdefreien Zeitraum zum Befall des zentralen Nervensystems mit Symptomen wie Kopfschmerzen, Lichtscheu, Schwindel, Konzentrations- und Gehstörungen. Diese können Wochen bis Monate andauern.

Rot eingefärbt die Gemeinden, für welche das BAG im Frühling 2021 eine FSME-Impfung empfiehlt (zur aktuellen Karte)

Lyme-Borreliose

Noch weitaus häufiger als FSME wird die Lyme-Borreliose durch Zecken übertragen. Das Bundesamt für Gesundheit geht davon aus, dass in der Schweiz jährlich 10 000 Personen an einer Borreliose erkranken. Auch gibt es für die Borreliose im Gegensatz zu FSME keine Impfung. Vom Borrelia-Bakterium gibt es mehrere Arten. Je nach Art sind im Verlauf der Erkrankung verschiedene Organe betroffen. Erstes Symptom der Erkrankung kann eine Rötung an der Stichstelle sein, die sich ausdehnt und ringförmig wird. Innerhalb von Tagen bis Wochen verschwindet sie wieder. Bei einem Teil der Erkrankten kommt es nach Wochen, Monaten oder gar Jahren zu einem zweiten Stadium, während dem die Gelenke, das Nervensystem, die Haut und selten das Herz befallen werden können. Eine Borrelien-Infektion kann durch Antibiotika behandelt werden. Unerkannt oder ungenügend behandelt, können sich als Folge einer Borreliose bleibende Behinderungen ergeben.

Testen Sie hier Ihr Wissen im Zecken-Quiz!

Ein Quiz über Zecken.

Zecken lassen sich nicht, wie manchmal fälschlicherweise angenommen, von Bäumen fallen, wenn sich unterhalb davon ein Mensch oder Tier befindet, sondern lassen sich durch ihre Opfer von Sträuchern, Ästen oder hohen Gräsern abstreifen. Dementsprechend sind Zecken auch nicht in Baumkronen zuhause, sondern im Unterholz, in Hecken, Sträuchern oder Wiesen.

Das Nationale Referenzzentrum für zeckenübertragene Krankheiten (NRZK)

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) betreibt ein Nationales Referenzzentrum für zeckenübertragene Krankheiten (NRZK). Dieses hat den Auftrag, in der Schweiz eine Bestätigungs- bzw. Referenzdiagnostik für durch Zecken übertragene Erreger in Humanproben anzubieten. Das NRZK unterstützt das BAG in Bezug auf die Überwachung der von Zecken übertragenen Krankheiten (im Speziellen Lyme-Borreliose, FSME und Q-Fieber). Weiter führt das Referenzzentrum Spezialisten aus unterschiedlichen Disziplinen zusammen, um Massnahmen zur Prävention dieser Krankheiten zu entwickeln.

Das Referenzzentrum besteht aus drei Vertragspartnern: die Forschungseinrichtung ADMED Mikrobiologie im Kanton Neuenburg, das Mikrobiologischen Institut des Waadtländer Universitätsspitals sowie dem Labor Spiez, welches fachlich den Bereich FSME betreut und die Administration des NRZK verantwortet. Die Aktivitäten des NRZK werden zudem durch eine wissenschaftliche Begleitgruppe bewertet. Das NRZK steht für Auskünfte zu gängigen Diagnostikverfahren, neuartigen Tests sowie zur Biologie der verschiedenen Erreger zur Verfügung.

Informationen des Labor Spiez zu Zecken finden Sie hier

Wie schützt man sich vor Zecken?

  • Tragen Sie gut schliessende Kleidung
  • Meiden Sie das Unterholz
  • Verwenden Sie Insektenschutzmittel
  • Nachdem Sie in der Natur unterwegs waren, sollten Sie sich am ganzen Körper auf Zecken untersuchen – das gilt auch für Ihre Haustiere. Besonderes Augenmerk liegt hierbei auf dünne und gut durchblutete Körperstellen wie Kniekehlen und Achseln. Auch Bauch, Nacken und Kopf weisen eine erhöhte Stichdichte auf
  • Zur Vorbeugung gegen FSME steht eine sichere und gut wirksame Impfung zur Verfügung ⇒ weitere Infos hier

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