Nationale Risikoanalyse KNS 2025 – Bereich Technik
Strom, Internet, Heizung oder Mobiltelefon – vieles, was unseren Alltag selbstverständlich macht, hängt von funktionierenden Infrastrukturen ab. Doch was passiert, wenn diese Systeme ausfallen? Die nationale Risikoanalyse «Katastrophen und Notlagen Schweiz» zeigt, dass technische Störungen wie Stromausfälle oder Energieknappheit zu den relevanten Risiken für die Schweiz gehören. Dieser Blogpost erklärt, warum diese Gefährdungen uns alle betreffen und weshalb gute Vorbereitung notwendig ist.
Wenn die Technik ausfällt: wie gut ist die Schweiz vorbereitet
Unsere moderne Gesellschaft funktioniert nur dank technischer Systeme. Strom fliesst vermeintlich jederzeit aus der Steckdose, Mobilfunknetze verbinden Menschen, Güter werden innerhalb weniger Tage geliefert und kritische Prozesse laufen automatisiert im Hintergrund. Genau diese Abhängigkeit macht die Gesellschaft jedoch verwundbar. Die nationale Risikoanalyse «Katastrophen und Notlagen Schweiz 2025» (KNS) 2025 zeigt, welche technischen Gefährdungen heute zu den zentralen Risiken für Bevölkerung, Wirtschaft und Staat gehören.
Technische Gefährdungen: komplexe Zusammenhänge
Technische Gefährdungen unterscheiden sich von Naturgefahren oder gesellschaftlichen Notlagen dadurch, dass sie häufig durch Störungen, Ausfälle oder Unfälle in Infrastrukturen ausgelöst werden. Sie entstehen nicht zwingend plötzlich, sondern oft als Folge von Kaskadeneffekten: Ein Defekt, ein Engpass oder ein Ausfall zieht weitere Systeme in Mitleidenschaft. Genau diese Verkettung macht technische Risiken besonders anspruchsvoll für die Vorsorge und Bewältigung.
KNS 2025 analysiert unter anderem Ausfälle von Energie- und Kommunikationsnetzen, Mangellagen in der Versorgung, Unfälle in Industrieanlagen sowie Störungen in Verkehrs- und Logistiksystemen (siehe Abbildung 1).

Energieversorgung: Wo sind die Risiken?
Besonders deutlich zeigt die Risikomatrix die Bedeutung der Energieversorgung. Die Szenarien Stromausfall und Strommangellage zählen in KNS 2025 zu den grössten technischen Risiken. Zwar treten grossflächige Blackouts selten auf, doch sind ihre Auswirkungen massiv, wie dies der Stromausfall in Spanien und Portugal Ende April 2025 gezeigt hat: Von der Trinkwasserversorgung über den Zahlungsverkehr bis hin zur Gesundheitsversorgung ist jeder Lebensbereich betroffen.
Auch Mangellagen bei Erdgas und Erdöl werden als relevante Gefährdungen eingestuft. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, wie stark internationale Abhängigkeiten, geopolitische Spannungen und Marktentwicklungen die Versorgungssicherheit beeinflussen können. Pflichtlager bei Erdölprodukten und Vorsorgemassnahmen bei Erdgas reduzieren zwar die unmittelbaren Auswirkungen, längere Engpässe können aber erhebliche wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen haben.
Kritische Infrastrukturen unter Druck
Ein weiteres zentrales Thema sind kritische Infrastrukturen. Dazu zählen unter anderem Telekommunikationsnetze, Verkehrswege und Stauanlagen. Ein Ausfall des Mobilfunks oder Einschränkungen im Schiffsverkehr auf dem Rhein mögen auf den ersten Blick bewältigbar erscheinen, können jedoch rasch weitreichende Konsequenzen entfalten – etwa für Einsatzorganisationen, Lieferketten oder die Koordination von Krisenmassnahmen.
Hinzu kommen Unfälle in Industrie-, Chemie- oder Kernanlagen. Solche Ereignisse haben meist eine geringe Eintrittswahrscheinlichkeit, aber ein sehr hohes Schadenspotenzial. Auch solche Ereignisse müssen in der Notfallplanung berücksichtigt werden, selbst wenn umfangreiche präventive Sicherheitsvorkehrungen bestehen.
Vernetzung als Risiko: Kaskaden und Multikrisen
Eine weitere wichtige Erkenntnis von KNS 2025 ist die wachsende Bedeutung von Wechselwirkungen und Kaskadeneffekten. Technische Gefährdungen kommen selten allein vor. Ein Stromausfall kann zu Kommunikationsproblemen führen, diese wiederum erschweren die Krisenführung, was die Bewältigung anderer gleichzeitiger Ereignisse massiv beeinträchtigt. In einer hochvernetzten Gesellschaft steigt damit das Risiko von Multikrisen, bei denen mehrere Systeme gleichzeitig unter Druck geraten.
Fazit: Vorsorge statt Reparaturdenken
Technische Risiken lassen sich zwar nicht vollständig verhindern, doch ihre Auswirkungen können deutlich reduziert werden. Entscheidend dafür sind robuste Systeme, ausreichende Redundanzen, klare Zuständigkeiten sowie eine gute Vorbereitung aller Beteiligten. Die technischen Gefährdungen von KNS 2025 zeigen dabei deutlich, dass die grössten Risiken häufig nicht durch spektakuläre Einzelereignisse entstehen, sondern durch das Zusammenspiel hochkomplexer und stark vernetzter Systeme. KNS 2025 liefert hierfür eine gemeinsame und vergleichbare Grundlage für Bund, Kantone, Gemeinden und Betreiber kritischer Infrastrukturen. Eine resiliente Schweiz braucht deshalb nicht nur moderne Technik, sondern auch vorausschauende Planung, regelmässige Übungen und eine gelebte Risikokultur.


