8 Januar 2026

Drohnen im Bevölkerungsschutz: Eine technologische Revolution für mehr Sicherheit und Effizienz

Die rasante Entwicklung unbemannter Luftfahrtsysteme, kurz Drohnen, hat den Bevölkerungsschutz in den letzten Jahren massgeblich beeinflusst und ein breites Spektrum neuer Einsatzmöglichkeiten eröffnet. Diese fliegenden Helfer unterstützen bei der Bewältigung von Naturkatastrophen, bei Such- und Rettungsaktionen und vielen weiteren Herausforderungen. Gleichzeitig stellen sie Behörden und Einsatzkräfte vor neue technische, rechtliche und ethische Fragen, die es zu beantworten gilt.

Vielfältige Einsatzszenarien in der Schweiz und weltweit

Die Einsatzgebiete von Drohnen im Bevölkerungsschutz sind so vielfältig wie die Gefahren selbst. In der Schweiz hat die Schweizerische Rettungsflugwacht (Rega) ein wegweisendes Drohnenprojekt ins Leben gerufen. Laut Rega wurde eine spezielle Drohne entwickelt, die auch bei schlechter Sicht und in der Nacht eingesetzt werden kann. Sie ist mit einer Wärmebildkamera und einem Mobilfunk-Aufspürgerät zur Lokalisierung vermisster Personen in alpinem Gelände ausgestattet [1]. Die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) untersucht den Einsatz von Drohnen in Bergregionen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Unterstützung bei Lawinenunglücken, wo Drohnen zur schnellen und effizienten Ortung potenzieller Verschütteter eingesetzt werden können [3]. Auch in den Kantonen werden die Drohnen für den Bevölkerungsschutz eingesetzt. Während die genauen Einsatzszenarien von Kanton zu Kanton variieren können, umfassen typische Anwendungen die Lageaufklärung bei Grossbränden, die Überwachung von Naturgefahren wie Hangrutschungen und Lawinen oder die Unterstützung bei Grossveranstaltungen [2].

International gibt es ebenso beeindruckende Beispiele. Das Internationale Rote Kreuz (IKRK) nutzt Drohnentechnologie erfolgreich bei der Suche nach vermissten Personen in Krisengebieten [4]. In Haiti wurden nach dem verheerenden Erdbeben von 2021 Drohnen eingesetzt, um schnell und effizient Schäden an der Infrastruktur zu kartieren und die Verteilung von Hilfsgütern zu koordinieren.

Technische Innovationen und Herausforderungen

Die rasante technologische Entwicklung erweitert ständig das Einsatzspektrum von Drohnen. Fortschritte in der Batterietechnologie versprechen deutlich längere Flugzeiten. Die Integration von 5G-Technologie ermöglicht eine noch schnellere und stabilere Datenübertragung. Eine der grössten Herausforderungen liegt in der Verarbeitung und Interpretation der enormen Datenmengen, die Drohnen generieren. Hochauflösende Kameras und vielfältige Sensoren erzeugen in kurzer Zeit Terabytes an Daten. Um diese Informationsflut zu bewältigen und daraus sinnvolle Erkenntnisse zu gewinnen, setzen Experten zunehmend auf Cloud-Computing und Big-Data-Analysen. Das Schweizer Unternehmen Pix4D, ein führender Anbieter von Photogrammetrie-Softwarelösungen, entwickelt fortschrittliche Technologien zur Erstellung detaillierter 3D-Karten aus Drohnenaufnahmen [5].

Rechtliche Rahmenbedingungen und Datenschutz

Mit der zunehmenden Verbreitung von Drohnen geht eine Anpassung der rechtlichen Rahmenbedingungen einher. In der Schweiz ist das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) für die Regulierung des Drohnenbetriebs zuständig und arbeitet an spezifischen Regelungen für den Einsatz in alpinen Umgebungen [2]. Diese Regelungen sollen die besonderen Herausforderungen berücksichtigen, die sich aus den extremen Wetterbedingungen, der komplexen Topographie und den eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten in den Bergen ergeben.

Der Datenschutz spielt eine zentrale Rolle. In der Schweiz regelt das Bundesgesetz über den Datenschutz (DSG) den Umgang mit personenbezogenen Daten. Für den Einsatz von Drohnen im Bevölkerungsschutz gelten besondere Bestimmungen, die eine Abwägung zwischen öffentlichem Interesse und dem Schutz der Privatsphäre erfordern. Technische Massnahmen wie die Verschlüsselung der Datenübertragung und die Anonymisierung von Bilddaten durch automatische Verpixelung von Gesichtern und Kennzeichen sind Standard.

Mensch-Maschine-Interaktion und Ausbildung

Trotz aller technologischer Fortschritte bleibt der Mensch ein zentraler Faktor im Drohneneinsatz. Die effektive Zusammenarbeit zwischen menschlichen Bedienern und autonomen Systemen ist entscheidend für den Erfolg. Forscher arbeiten an fortschrittlichen Mensch-Maschine-Schnittstellen, die es Einsatzkräften ermöglichen, Drohnensysteme intuitiv zu steuern und die gesammelten Daten effektiv zu nutzen.

Mit der zunehmenden Verbreitung von Drohnen wächst auch der Bedarf an qualifizierten Piloten und Operatoren. In der Schweiz bieten verschiedene Institutionen spezielle Ausbildungsprogramme an. Diese umfassen neben der technischen Bedienung auch rechtliche Aspekte und einsatztaktische Überlegungen.

Soziale Akzeptanz und Kommunikation

Ein oft übersehener, aber entscheidender Faktor für den erfolgreichen Einsatz von Drohnen im Bevölkerungsschutz ist die soziale Akzeptanz. Bedenken hinsichtlich Privatsphäre und Sicherheit können zu Widerständen in der Bevölkerung führen. Um dem entgegenzuwirken, ist eine transparente Kommunikation über den Zweck und die Vorteile des Drohneneinsatzes unerlässlich.

Internationale Zusammenarbeit und Normen

Die Entwicklung und der Einsatz von Drohnen im Bevölkerungsschutz erfordern eine enge internationale Zusammenarbeit. Die Schweiz spielt hier eine aktive Rolle. So beteiligt sie sich an EU-Forschungsprojekten zur Entwicklung einheitlicher europäischer Standards für den sicheren Drohnenbetrieb [6].

Die Bedeutung internationaler Normen und Standards für die Interoperabilität von Drohnensystemen nimmt stetig zu. Organisationen wie die Internationale Organisation für Normung (ISO) arbeiten an globalen Standards für Drohnen, die von der Terminologie über technische Spezifikationen bis hin zu Betriebsverfahren reichen. Diese Normen sind entscheidend, um grenzüberschreitende Einsätze zu erleichtern und die Kompatibilität verschiedener Systeme sicherzustellen.

Auch bei grenzüberschreitenden Einsätzen, etwa bei Naturkatastrophen in den Alpen, ist eine enge Abstimmung mit den Nachbarländern unerlässlich.

Ökologische Aspekte und Umweltbelastung

Die Umweltverträglichkeit von Drohnen ist ein zunehmend wichtiger Aspekt. Während elektrisch betriebene Drohnen im Vergleich zu bemannten Luftfahrzeugen deutlich umweltfreundlicher sind, gibt es Bedenken hinsichtlich der Lärmbelastung und möglicher Störungen der Tierwelt. Forscher arbeiten an leiseren Antriebssystemen und Flugverfahren, um diese Auswirkungen zu minimieren.

Ein weiterer Umweltaspekt ist die Entsorgung von Batterien. Die in Drohnen verwendeten Lithium-Polymer-Akkus stellen eine potenzielle Umweltbelastung dar und erfordern spezielle Recyclingverfahren. Die Drohnenindustrie arbeitet an umweltfreundlicheren Batterielösungen und verbesserten Recyclingkonzepten.

Fazit

Drohnen haben das Potenzial, den zivilen Bevölkerungsschutz grundlegend zu verbessern. Ihre Fähigkeit, schnell und präzise Informationen zu liefern, Kommunikationsnetze aufzubauen und Hilfsgüter zu transportieren, macht sie zu einem unverzichtbaren Werkzeug für Rettungskräfte. Die Integration dieser Technologie in bestehende Strukturen und Prozesse stellt zwar eine Herausforderung dar, bietet aber auch die Chance, die Effektivität des Bevölkerungsschutzes signifikant zu steigern.

Die Zukunft des Drohneneinsatzes wird nicht nur von technologischen Fortschritten, sondern auch von der erfolgreichen Bewältigung rechtlicher, ethischer und gesellschaftlicher Herausforderungen abhängen. Nur durch einen ganzheitlichen Ansatz, der technische Innovation mit verantwortungsvollem Einsatz und breiter gesellschaftlicher Akzeptanz verbindet, können wir das volle Potenzial dieser vielversprechenden Technologie ausschöpfen und den Bevölkerungsschutz nachhaltig stärken.

Die Erfahrungen aus der Schweiz und anderen Ländern sowie die Bemühungen internationaler Organisationen zeigen, dass Drohnen ein unverzichtbares Instrument für humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz werden können. Es liegt nun an uns, diese Technologie verantwortungsvoll weiterzuentwickeln und zum Wohle der Gesellschaft einzusetzen. Mit diesem proaktiven Ansatz können wir uns für die Herausforderungen der Zukunft rüsten und den Bevölkerungsschutz auf ein neues Niveau heben.

Quellen

[1] Rega. (2023). Rega drone | Swiss Air-Rescue Rega

[2] Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL). www.bazl.admin.ch

[3] Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL). www.wsl.ch. Drohne Lawine Rettung Schnee Berge | Schweizer Illustrierte (schweizer-illustrierte.ch)

[4] International Committee of the Red Cross (ICRC). www.icrc.org

[5] Pix4D. Offizielle Website. www.pix4d.com

[6] Europäische Kommission. www.ec.europa.eu

Den gesamten Artikel des BABS-Magazins finden Sie hier.

Bild: Ausbildung der Drohnengruppe des Ausserrhoder Zivilschutzes. Der Ausserrhoder Zivilschutz ist eine der ersten Zivilschutzorganisationen de Schweiz mit einer derartigen Gruppe. Die Gruppe ermöglicht Erkundungen aus der Luft. (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller).

Schlagwörter: ,

Beitrag teilen:

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *