6 Dezember 2016

Gefahren kennen: Ausfall Stromversorgung

Welche Gefährdungen gibt es für die Schweizer Bevölkerung? Wie könnte ein grosses Schadenereignis in der Schweiz konkret ablaufen? Welche Auswirkungen hätte dies auf Mensch, Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft in der Schweiz? Und was können Sie selber tun, um sich besser zu schützen?

Mit der nationalen Gefährdungsanalyse von «Katastrophen und Notlagen Schweiz» schafft das Bundesamt für Bevölkerungsschutz BABS Grundlagen für die vorsorgliche Planung und Ereignisvorbereitung. In diesem Rahmen wird für jede untersuchte Gefährdung ein Referenzszenario definiert. Damit gibt das BABS wissenschaftlich fundierte und breit abgestützte Antworten auf die einleitend gestellten Fragen. Im Alertswiss-Blog informieren wir Sie regelmässig über die Ergebnisse dieser Gefährdungsanalyse.

Ein Stromausfall kann unabhängig der Grösse des betroffenen Gebiets rasch gravierende Auswirkungen auf die Wirtschaft und den Menschen haben. Die zunehmende Vernetzung der heutigen Gesellschaft verstärkt diesen Effekt zusätzlich. Aus diesem Grund zählt das BABS den Ausfall der Stromversorgung zu den für den Schweizer Bevölkerungsschutz relevantesten Gefährdungen.

Worum geht es?

Stromausfall bezeichnet den Ausfall der Versorgung mit elektrischer Energie aufgrund von Schäden an der Stromnetzinfrastruktur, Problemen bei der Stromproduktion oder Systemsteuerung. Wenn die Stromversorgung vollständig zusammenbricht, spricht man auch von einem «Blackout». Stromausfälle können kaum vorhergesagt werden. Unsere Stromversorgung ist von Netzleitsystemen abhängig geworden, welche die Verteilung der Elektrizität steuern. Diese basieren auf Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT). Ausfälle oder Störungen dieser IKT-Systeme können schlimmstenfalls zu einem grossflächigen Stromausfall führen.

Ereignisbeispiele

Referenzszenario: Möglicher Ereignisablauf bei einem Ausfall der Stromversorgung

An einem gewöhnlichen Arbeitstag im August kommt es nachmittags im schweizerischen Mittelland zu einem unerwarteten, grossflächigen Stromausfall. Auch Süddeutschland, Westösterreich und Teile Frankreichs sind davon betroffen. Auslöser des Stromausfalls sind schwere Gewitter über der Region, die zuvor grosse Schwankungen im Stromnetz verursachten. Sämtliche elektrische Geräte ohne Notstromversorgung fallen sofort aus.

In den ersten Minuten nach dem Stromausfall sind weder die Dauer noch das Schadensausmass abzuschätzen. Die Bevölkerung geht zunächst davon aus, dass die Stromversorgung bis am Abend wieder hergestellt sein wird. Erst am Abend wird klar, dass die schweren Gewitter vielerorts Leitungen und Schaltanlagen beschädigt haben und die Stromversorgung daher länger ausfällt. Aufgrund der unterbrochenen Leitungen wurden Kraftwerke automatisch abgeschaltet und durften erst nach ausführlichen Kontrollen wieder angefahren werden. Es muss damit gerechnet werden, dass die vollständige Wiederversorgung bis zu drei Tage dauert. Die Situation für die Bevölkerung und die Wirtschaft normalisiert sich aber erst nach einigen Wochen vollständig.

Referenzszenario: Mögliche Auswirkungen

Der grossflächige Stromausfall hat in vielen Bereichen zum Teil grosse Auswirkungen auf die Bevölkerung und die Wirtschaft. Als direkte Auswirkung des Stromausfalls kommt es besonders in der Nacht vermehrt zu Haus- und Wohnungsbränden, die durch Kerzen ausgelöst wurden. Zudem kann es zu Todesfällen von Personen kommen, die auf lebenserhaltende Maschinen angewiesen sind und sich nicht in Spitalpflege befinden.
Im gesamten Verkehrsnetz kommt es vor allem am ersten Tag zu grossen Behinderungen. Es kommt zu Unfällen aufgrund von ausgefallenen Ampeln; stehengebliebene Trams und Trolleybusse blockieren zudem in städtischen Gebieten viele Strassen. Auch werden Strassentunnels aus Sicherheitsgründen gesperrt und der Bahnverkehr kommt nach dem grossflächigen Stromausfall zum Erliegen. Zwar ist das Bahnstromnetz grundsätzlich eigenständig, doch da wichtige Teile der Bahninfrastruktur (u.a. Signale und Stellwerke) vom öffentlichen Stromnetz abhängig sind, wird der Eisenbahnverkehr eingestellt.
Durch die Verkehrsbehinderungen ist zudem die Lebensmittelversorgung so stark eingeschränkt, dass es vereinzelt zu Versorgungsengpässen kommt. Diese Problematik wird zusätzlich verschärft, da Lebensmittel mit kurzer Haltbarkeit in privaten und gewerblichen Kühlschränken nicht mehr gekühlt werden und verderben. Auch die Wasserversorgung sowie die Abwasserabfuhr sind vom Stromausfall betroffen sind, wodurch besonders das Trinkwasser zur Knappheit wird. Um diese Situation zu entschärfen, richten Einsatzorganisationen Sammelstellen ein, wo Nahrung und Trinkwasser erhältlich sind.

Auch die Wirtschaft spürt die Auswirkungen eines grossen Stromausfalls deutlich und unmittelbar. Einige grosse Unternehmen sind mit Notstromaggregaten ausgerüstet und können so die essentiellen Funktionen aufrechterhalten. Der Grossteil der Betriebe im betroffenen Gebiet ist in einer ersten Phase jedoch nicht mehr einsatzfähig. Auch die Landwirtschaft ist vom Stromausfall betroffen. So können Kühe nur noch von Hand gemolken werden, die Milch kann nicht mehr gekühlt werden und ganze Verarbeitungssysteme fallen aus.
Oberste Priorität hat während dem Stromausfall und im Wiederaufbau der Stromversorgung der Schutz der Bevölkerung. Die Arbeit der Einsatzkräfte ist durch den Stromausfall aber ebenfalls beeinträchtigt. Der Ausfall von gewissen Kommunikationsmitteln erschwert die Koordination unter den Einsatzkräften, diese ist aber durch ausfallsichere Mittel grundsätzlich gewährleistet.
Kurz nach Eintreten des Stromausfalls beginnen die Behörden, die Bevölkerung zu informieren und Verhaltensanweisungen durchzugeben. Dies geschieht zuerst ausschliesslich über Radio, später wird auch über mobile Lautsprecher kommuniziert.
Die Polizei ist mit allen verfügbaren personellen Ressourcen im Einsatz und patrouilliert die betroffenen Gebiete intensiv, um allfällige Plünderungen und andere kriminellen Machenschaften zu verhindern. Da im Referenzszenario nicht die ganze Schweiz vom Stromausfall betroffen ist, stellen nicht betroffene Kantone zusätzliche Mittel zur Verfügung.

Risikobeurteilung und Vergleich mit anderen Risiken

Die Eintrittswahrscheinlichkeit des beschriebenen Referenzszenarios lässt sich aufgrund von Erfahrungswerten der letzten Jahrzehnte relativ genau einordnen. Ein solches Szenario mit der Intensität „gross“ ist in der Schweiz grundsätzlich vorstellbar, aber selten zu erwarten. Gemäss der Nationalen Gefährdungsanalyse des BABS hat ein grossflächiger Stromausfall in Teilen der Schweiz etwa dieselben finanziellen Auswirkungen wie eine Tierseuche, eine Hitzewelle oder Trockenheit und kommt ungefähr so oft vor wie ein Flugzeugabsturz oder ein Waldbrand.

Vorsorge und Verhaltensanweisungen: Was können Sie tun?

Obwohl Ereignisse, wie sie das Referenzszenario beschreibt, in der Schweiz nur selten vorkommen und sich meist auf ein bestimmtes Gebiet beschränken, ist es wichtig zu wissen, wie Sie sich im Ereignisfall verhalten sollten. Grundsätzlich gelten bei Stromausfällen folgende Verhaltensanweisungen:

  • Schalten Sie alle netzbetriebenen Geräte aus.
  • Wenn der Strom wieder da ist, schalten Sie ein Gerät nach dem anderen ein (Gefahr der Überlastung des Stromnetzes).

Je nach Ausmass und Dauer des Stromausfalls können weitere Verhaltensanweisungen herausgegeben werden. Es gilt daher, immer den Anweisungen der Behörden und Einsatzkräfte zu folgen, die wie üblich via Radio übermittelt werden.

Bereit für alle Fälle

Beachten Sie die Empfehlungen zu Notvorrat und Notfallapotheke sowie zu den Vorbereitungen betreffend Notunterkunft und Notgepäck im Alertswiss Notfallplan.

Weitere Informationen

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Kommentare (4)

  1. H. Märki sagt:

    Das beschriebene Szenario erinnert mich an den Roman „Blackout“ von Marc Elsberg. Empfehle den mal zu lesen – sehr spannend.

  2. Herbert Saurugg sagt:

    Die Wahrscheinlichkeit und das mögliche Ausmaß eines europaweiten Strom- und Infrastrukturausfalls („Blackout“) lassen sich nur schwer einschätzen. Es gibt aber eine Reihe von Hinweisen, die noch dazu seit Jahren zunehmen bzw. eskalieren, die darauf hindeuten, dass wir dieses systemische Risiko massiv unterschätzen und daher böse überrascht werden könnten. Die Schweizer Bevölkerung ist dabei wahrscheinlich noch deutlich besser aufgestellt, als in den meisten anderen Ländern. So ist aufgrund einer Studie zu befürchten, dass bereits am 4. Tag eines Blackouts rund ein drittel der österreichischen Bevölkerung (3 Millionen) nicht mehr in der Lage ist, sich ausreichend selbst zu versorgen. Auch wenn der unmittelbare Stromausfall nur einen Tag dauert, was für Österreich realistisch ist, wenn nicht schwerwiegende Infrastrukturschäden vorliegen, wird es Tage, Wochen und Monate dauern, bis sich die Versorgungslage wieder normalisiert. Unsere Just-in-Time Versorgung/Produktion ist dabei eine völlig unterschätzte Achillesferse. Die Eskalation im Cyber-Bereich sollte uns ebenfalls wachrütteln, denn auch hier können ähnlich schwere Versorgungsunterbrechungen ausgelöst werden.

    Mehr dazu auf meiner Seite http://www.saurugg.net/strom-blackout bzw. zu aktuellen Ereignissen im Blog http://www.saurugg.net/category/blog

  3. Nina sagt:

    Wochenende, große Familienfeier und dann Stromausfall ist keine tolle Vorstellung, aber einer guten Freundin passiert. Deswegen will ich jetzt für so einen Fall vorbereitet sein. Daher danke für die Tipps in diesem Artikel, vor allem dafür, dass man Geräte erst nacheinander wieder einschalten soll. Die Nummer vom Elektro Notdienst ist jetzt für den Fall an der Pinnwand.

  4. Tom Vogt sagt:

    Hallo,
    also wäre die Wahrscheinlichkeit für so ein Szenario schon eher gering. Dann brauche ich mir ja erst einmal keine Sorgen machen. Wenn ich darüber nachdenke, hatte ich in letzter Zeit durchaus kaum Stromausfälle gehabt. Und wenn dann Würde ich wahrscheinlich gleich den Elektro Notdienst rufen.

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