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29 April 2015

Notrufnummer 144 – für alle medizinischen Notfälle

Haben Sie sich auch schon gefragt, wer oder was hinter der Sanitätsnotrufnummer 144 steckt? Oder was eigentlich passiert, wenn Sie die Nummer 144 wählen? Eine Umfrage hat gezeigt, dass fast die Hälfte der befragten Personen in der Schweiz die Bedeutung der Nummer 144 nicht kennt – Zeit Licht ins Dunkel zu bringen. Denn mit einem Anruf auf die landesweite Notrufnummer 144 kann jede Person rasch und effizient Hilfe bei allen medizinischen Notfällen anfordern.

Tag der Sanitätsnotrufnummer 144

Laut einer Studie kennt fast die Hälfte der Schweizer Bevölkerung die Bedeutung der Sanitätsnotrufnummer 144 nicht. Um die Nummer 144 und deren Bedeutung besser bekannt zu machen, findet jedes Jahr am 14.4  der Tag des Sanitätsnotrufnummer 144 statt. Gemeinsam mit den Sanitätsnotrufzentralen in der Schweiz hat sich der Interverband für Rettungswesen (IVR) zum Ziel gesetzt, die Bekanntheit der Sanitätsnotrufnummer zu erhöhen und den Menschen auf der Strasse die Bedeutung dieser Nummer zu vermitteln. Auch in diesem Jahr konnten dazu am 14.4 in der ganzen Schweiz an rund 30 verschiedenen Standorten Vertreter der Sanitätsnotrufzentralen (SNZ) 144 besucht werden. Die Rettungsdienste informierten die Menschen über die Notrufnummer 144, über die Arbeit im Rettungswesen sowie über die Wichtigkeit der Ersten Hilfe.

Auch die Sanitätspolizei Bern samt Rettungswagen und Rettungssanitäter/innen präsentierte sich auf dem Waisenhausplatz in Bern von 09.00 bis 16.00 Uhr. Ich habe die Sanitätspolizei Bern besucht und dabei Spannendes erfahren.

Bei besten Wetter präsentierte sich die Sanitätspolizei Bern und informierte die Bevölkerung.
Bei besten Wetter präsentierte sich die Sanitätspolizei Bern und informierte die Bevölkerung.

Wann fährt eine Ambulanz mit Blaulicht  – und wann mit dem “Horni“? Diese Frage wurde vor allem von Kindern immer wieder gestellt. Dabei werden Blaulicht und Wechselklanghorn in der Regel immer gemeinsam eingesetzt, erzählt mir Manuela Sinniger. Sie ist dipl. Rettungsanitäterin bei der Sanitätspolizei Bern und Teamleiterin der Sanitätsnotrufzentrale 144 Bern. Das Sondersignal wird in dringlichen Situationen,  etwa wenn der Verdacht auf Lebensgefahr besteht, eingesetzt.

Der Rettungswagen der Sanitätspolizei Bern konnte von innen betrachtet werden. Die Rettungssanitäter erklärten den Besuchern die Instrumente, die Leben retten können.
Der Rettungswagen der Sanitätspolizei Bern konnte von innen betrachtet werden. Die Rettungssanitäter erklärten den Besuchern die Instrumente, die Leben retten können.

«Der Rettungswagen dient als Attraktion, welche die Menschen auf der Strasse zu uns lockt. Die Leute möchten vor allem wissen, wie es im Innern eines Rettungswagen aussieht. Sie möchten wissen, wie es sich anfühlen würde, wenn sie selbst einmal mit einer Ambulanz transportiert werden müssten. Viele Menschen kommen auch vorbei um einfach “Merci“ zu sagen, das freut uns natürlich sehr», sagt Manuela Sinniger. Es gibt auch Fans der Sanitätspolizei, die jedes Jahr immer wieder kommen.

Besucher am Infostand der Sanitätspolizei Bern
Besucher am Präsentationsstand der Sanitätspolizei Bern

Das Ziel dieser Veranstaltung besteht in erster Linie darin, die Bevölkerung auf die Nummer 144 aufmerksam zu machen, Informationen zu vermitteln und den Menschen die Hemmungen zu nehmen, erzählt Markus Blau, Stv. Bereichsleiter Planung und Einsatz bei der Sanitätspolizei Bern. Markus Blau erklärt mir auch was passiert, wenn im Kanton Bern die Nummer 144 gewählt wird.

Eindrücke anderer Standorte in unserer Galerie:

Was passiert, wenn Sie die Nummer 144 wählen?

Die Notfallnummer 144 wurde erst 1999 in allen Kantonen der Schweiz eingeführt. Sie ersetzte die bis anhin geltenden regionalen Notfallnummern. Die Organisation der Rettungsdienste in der Schweiz ist aber nach wie vor von Kanton zu Kanton verschieden. Im Kanton Bern gibt es 2 Sanitätsnotrufzentralen, in Bern und in Biel. Hier treffen alle Notrufe ein. Am Standort Bern sind dafür 4 Disponenten/innen am Tag und 3 in der Nacht im Einsatz. Im Jahr 2014 wurden im Kanton Bern insgesamt rund 230’000 Notrufe bearbeitet.

Anrufe, die vom Festnetz ausgehen werden automatisch an die zuständige Sanitätsnotrufzentrale weitergeleitet, erzählt mir Markus Blau. Bei Notrufen, die per Handy abgesetzt werden, wird der ungefähre Standort per Satellitenortung ermittelt und an die nächst gelegene Notrufzentrale geleitet. Es kann aber passieren, dass diese Notrufe nicht bei der zuständigen Notrufzentrale eintreffen – zum Beispiel in Regionen, die nahe an andere Kantone grenzen. Fehlgeleitete Notrufe werden dann von der entgegennehmenden Notrufzentrale an die zuständige SNZ 144 weitergeleitet.

Die Sanitätsnotrufzentrale in Bern. Die Disponenten sitzen an ihren Arbeitsplätzen.
Die Sanitätsnotrufzentrale in Bern

Am Telefon nehmen Disponenten, die übrigens alle als dipl. Rettungssanitäter ausgebildet sind, den Anruf entgegen. Die Fachleute stellen am Telefon die nötigen Fragen wie: Wo ist der Notfallort? Was ist passiert? und leiten die entsprechend richtigen Massnahmen ein. Ist ein Einsatz des Rettungsdienstes nötig, müssen die Disponenten als nächstes die erforderlichen Rettungsmittel anfordern und koordinieren. Im Kanton Bern gibt es 8 Regionale Rettungsdienste sowie 24 verschiedene Standorte. Die Disponenten  müssen den vom Notfallort aus nächst gelegenen Rettungsdienst alarmieren. Gegebenenfalls müssen weitere Partner wie Polizei, Feuerwehr, Luftrettung, Firstresponder oder Ärzte aufgeboten werden.

SNZ

Einsatzgebiete der regionalen Rettungsdienste Kanton Bern

Auch Informationen über den Zustand der Patienten sind wichtig. So müssen die Disponenten etwa wissen, ob der Patient ansprechbar oder bewusstlos ist, damit bereits am Telefon Erste Hilfe geleistet werden kann und das Rettungsteam richtig zusammengesetzt werden kann. Markus Blau betont: «Grundsätzlich wird jeder ernst genommen, im Zweifelsfalle wird ein Notfall eine Kategorie höher eingestuft. So ist man auf der sicheren Seite, falls eine Situation wirklich ernst ist.» Neben der Fähigkeit eine Situation richtig einzuschätzen, müssen die Disponenten also auch in der Lage sein, per Telefon Anweisungen über Erste-Hilfe-Massnahmen zur Überbrückung der Wartezeit zu geben. Deshalb verfügen alle Disponenten über eine medizinische Ausbildung.

Im Notfall zählt jede Minute

Markus Blau rät bei medizinischen Notfällen immer zuerst die 144 zu wählen – so können die Fachleute in dringlichen Notfällen schnell die richtigen Fragen stellen und bereits am Telefon lebensrettende Verhaltensanweisungen geben.

Doch nicht immer wird die Sanität rechtzeitig gerufen, denn auch über fünfzehn Jahre nach ihrer Einführung ist die Nummer 144 noch immer vielen Menschen in der Schweiz nicht geläufig. Oft warten die Hilfesuchenden auch zu lange bis sie die Nummer 144 wählen oder rufen zuerst andere Dienste wie Hausärzte oder Spitäler an. Dies kann fatale Folgen haben: Gerade bei Unfällen oder akut lebensbedrohenden Erkrankungen kann das Leben der Betroffenen von einer schnellen professionellen Versorgung abhängen. Umso wichtiger ist es, die Schweizer Bevölkerung auf die Notrufnummer 144 aufmerksam zu machen, damit bei der Alarmierung des Rettungsdienstes nicht wertvolle Minuten verloren gehen.

Notruf über die App «ECHO 112»

Seit einigen Jahren gibt es zusätzlich die Möglichkeit einen Notruf über die App ECHO 112 abzusetzen. Die App kann weltweit eingesetzt werden und leitet den Notruf über einen SOS-Button an die nächstgelegene Notrufzentrale. ECHO 112 hat den grossen Vorteil, dass der genaue Standort des Anrufers übermittelt werden kann. Wichtig ist als Erstes mitzuteilen, dass der Anruf über die App erfolgt, sagt Manuela Sinniger: «Wir sehen nämlich nicht, ob jemand übe die App oder über die Nummer 144 anruft.» Anschliessend kann über die Handy-Nummer die genaue Position des Anrufers ermittelt werden. Die App gibt es für Android und  iOS.

Das sollten Sie wissen

Ein Verkehrsunfall mit verletzen Personen; eine Person, die neben Ihnen plötzlich zusammenbricht oder über Herzbeschwerden klagt – das sind typische Situationen, in denen rasche medizinische Hilfe benötigt wird. Bei allen medizinischen Notfällen sollte die Sanitätsnotrufnummer 144 gewählt werden. Die Sanitätsnotrufzentralen 144 sind rund um die Uhr 24 Stunden erreichbar. Das Fachpersonal wird die richtigen Fragen stellen und weiterhelfen.

Bereiten Sie sich vor

Bevor die 144 gewählt wird, sollten Sie sich trotz Aufregung kurz auf mögliche Fragen vorbereiten und die Informationen sammeln, betont Markus Blau. Die Fachkraft, die Ihren Anruf entgegen nimmt, wird Ihnen Fragen zum Notfall und zum Zustand des Patienten stellen:

  • Wer telefoniert?
  • Wo ist der Notfallort?
  • Was ist passiert?
  • Ist der Patient ansprechbar oder bewusstlos?

Wichtig dabei ist, dass Sie sich von der Fachkraft durch das Gespräch führen lassen. Sie wird Ihnen die erforderlichen Fragen stellen. Sie müssen sich nur darauf konzentrieren, die gestellten Fragen zu beantworten. Bewahren Sie in jedem Fall Ruhe.

Weitere Informationen:

Möchten auch Sie einen Rettungswagen einmal aus der Nähe betrachten oder den Rettungssanitätern vor Ort persönlich Fragen stellen? Am nächsten Tag der Santitätsnotrufnummer 144, am 14.4.2016, haben Sie die Möglichkeit die Vertreter der SNZ 144 in Ihrer Nähe zu besuchen. Der IVR informiert Sie rechtzeitig vor dem Aktionstag über Präsentationsstandorte und Besucherzeiten der teilnehmenden Rettungsdienste.

Sanitätspolizei Bern

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Kommentare (9)

  1. Aldo Brändli sagt:

    Ich habe den Beitrag gelesen. Für mich ist er viel zu langatmig. Das Wesentliche in ein paar kurzen Sätzen wäre besser, dann wird es auch gelesen.
    Eines ist mir nicht ganz klar: Wenn ich ein SOS über das App absetze erkennen Sie meinen Standort. Muss ich dann zusätzlich noch anrufen auf die Nummer 144 oder rufen Sie zurück?

  2. Aldo Brändli sagt:

    Wenn ich einen SOS-Notruf über das App echo 112 absetze, erkennen Sie meinen Standort. Aus dem Text geht hervor, dass Sie nicht sehen ob ich über die App oder die Nr. 144 anrufe. Muss ich dann auch noch anrufen? Oder was soll dieser Satz?

    • Alertswiss Redaktion sagt:

      Vielen Dank für Ihren Input. Wenn Sie einen Notruf über die App ECHO 112 absetzen, werden Sie automatisch mit der nächsten Notrufzentrale telefonisch verbunden. Sie müssen also nicht zusätzlich anrufen. Am Telefon müssen Sie dann mitteilen, dass Sie via App anrufen. Nur so können die Disponenten mithilfe der App Ihren genauen Standort ermitteln. Das ist erforderlich, weil die Disponenten nicht sehen können, ob der Anruf via App eingeht.

  3. Heusser Anna sagt:

    Mein Sohn hatte in der Nacht zum Samstag einen Verkehrsunfall…der Rettungsdienst kam erst 45min.nach dem ersten Notruf…Auf Ihrer Seite lese ich , dass Sie in 15min, vor Ort sind ?

    • Alertswiss Redaktion sagt:

      Grüezi Frau Heusser
      Vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Die erwähnte Viertelstunde ist die Dauer, die sich die Rettungsorganisationen selber als Ziel setzen und grundsätzlich eingehalten wird. Es gibt verschiedene Gründe, weshalb dieses Ziel in Einzelfällen nicht eingehalten werden kann. Bei Nachfragen können Sie sich direkt an die betroffene, kantonale Rettungsorganisation wenden.

  4. Itschner Helen sagt:

    Grundsätzlich, sollte immer (wenn es möglich ist) der Ort angegeben werden, wo die Hilfe benötigt wird. So könnte schneller gehandelt werden. Ein Kurzbeschrieb der Sache (2 – 3 Sätze genügen) erleichtern das Ganze.

  5. Rossi Alice sagt:

    hatten heute ich eine Reanimation….die Retungssanitäter könnten żu den Ersthelfer etwas freundlicher sein…sie sind ja teilweise auf Ersthelfer angewiesenn….so kann die Erstehilfe nicht fruchten!!!! soll nur eine Anregung sein…werde mich weiter hin engaschieren..den ein leben retten zählt!!!

  6. Bürger sagt:

    Von wem wird der Einsatz von bezahlt? Ist man für die Hilfe vollumfänglich zahlungspflichtig oder leistet auch die Krankenkasse etwas dazu?
    Freundliche Grüsse M. B.

    • Alertswiss Redaktion sagt:

      Bezüglich der Kosten eines Rettungseinsatzes informieren Sie sich am besten bei Ihrer Krankenkasse, da die Abdeckung der Kosten von Kanton zu Kanton unterschiedlich ist und von der persönlichen Versicherung abhängt.

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