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24 Januar 2017

Gefahren kennen: Kältewelle

Welche Gefährdungen gibt es für die Schweizer Bevölkerung? Wie könnte ein grosses Schadenereignis in der Schweiz konkret ablaufen? Welche Auswirkungen hätte dies auf Mensch, Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft in der Schweiz? Und was können Sie selber tun, um sich besser zu schützen?

Mit der nationalen Gefährdungsanalyse von «Katastrophen und Notlagen Schweiz» schafft das Bundesamt für Bevölkerungsschutz BABS Grundlagen für die vorsorgliche Planung und Ereignisvorbereitung. In diesem Rahmen wird für jede untersuchte Gefährdung ein Referenzszenario definiert. Damit gibt das BABS wissenschaftlich fundierte und breit abgestützte Antworten auf die einleitend gestellten Fragen. Im Alertswiss-Blog informieren wir Sie regelmässig über die Ergebnisse dieser Gefährdungsanalyse.

Während die letzte Kältewelle, die in der Schweiz spürbare Auswirkungen hatte, nun bereits fünf Jahre zurückliegt (2012), leiden Teile Europas auch dieses Jahr wieder unter den tiefen Temperaturen. Eine Kältewelle kann rasch gravierende Auswirkungen auf Mensch und Wirtschaft haben. In der Schweiz ist ein wie in der nationalen Gefährdungsanalyse gewähltes Szenario einer Kältewelle von grosser Intensität zwar selten zu erwarten, aber doch vorstellbar. Aus diesem Grund zählt das BABS Kältewellen zu den für den Schweizer Bevölkerungsschutz relevantesten Gefährdungen.

Worum geht es?

Während Kältewellen verharren die Temperaturen auch im Flachland während mehrerer Tage oder gar Wochen mehrere Grad unter dem Gefrierpunkt. Kältewellen werden durch das Heranführen arktischer oder sibirischer Kaltluftmassen verursacht. Bei kräftigen, langanhaltenden Kältewellen können Heizsysteme von Gebäuden an ihre Leistungsgrenze kommen. Kräftige, langanhaltende Kältewellen sind in der Schweiz ein seltenes Phänomen.

Ereignisbeispiele

Referenzszenario: Möglicher Ereignisablauf bei einer Kältewelle

Nach einem kalten Herbst sinken kurz vor Weihnachten die Temperaturen in ganz Europa stark ab. In weiten Teilen Europas fallen grosse Mengen Schnee. In der Altjahreswoche fallen die Temperaturen weiter, die Luft ist trocken und sehr kalt. Nachts wird es in der Schweiz teilweise kälter als -25°C, tagsüber zeigt das Thermometer kaum über -5°C an. Die Kälte dauert über zwei Wochen an. Mitte Januar, als die Temperaturen wieder über den Gefrierpunkt steigen, fällt intensiver Niederschlag als Schnee oder Regen. Es kommt teilweise zu Überschwemmungen; an anderen Orten gefriert das Wasser auf den Strassen sofort und führt zu einer dicken Eisschicht.

Das Bild zeigt eine Strasse, die durch einen Wald führt. Die Bäume sowie die Strasse sind schneebedeckt.
Schnee und Regen gefrieren auf der Strasse und führen zu schlechten Verkehrsverhältnissen. Die Staugefahr nimmt zu.

Salz kann nur noch auf den Hauptstrassen gestreut werden, ein Grossteil der anderen Strassen ist kaum mehr befahrbar. Im Radio und Fernsehen wird vor den schlechten Verkehrsverhältnissen und der Staugefahr gewarnt. Kurz nach den Niederschlägen fallen die Temperaturen wieder stark und bleiben bis Ende Januar deutlich und dauerhaft unter 0°C. Ende Januar entspannt sich die Lage mit einem Anstieg der Temperaturen. Ein Grossteil der entstandenen Schäden kann innerhalb einiger Wochen repariert werden – einige werden jedoch erst mit der Zeit sichtbar.

Referenzszenario: Mögliche Auswirkungen

Eine Kältewelle wirkt sich auf Personen, die Umwelt, die Wirtschaft und die Gesellschaft aus. Besonders am Anfang einer Kältewelle kommt es vermehrt zu Erfrierungen und Todesfällen, vor allem bei alkoholisierten und obdachlosen Personen. Obdachlose wie auch Personen, deren Heizung aufgrund der Kältewelle ausgefallen ist, müssen von den Behörden in Notunterkünften betreut werden. Leitungen können einfrieren und unter Umständen bersten, was grosse Schäden verursachen kann. Da zum Teil Holzöfen und Elektroheizgeräte als Ersatz oder zusätzliche Heizung zum Einsatz kommen, erhöht sich auch die Anzahl Brände. Infolge der Kälte nimmt der Stromverbrauch zu und die Sicherstellung der Stromversorgung ist erschwert. Durch Eis und Kälte verursachte Schäden an der Infrastruktur und die erhöhte Nachfrage können zu lokalen Überlastungen der Stromnetze und zu Stromausfällen führen.

Weitere Tote sowie Verletzte sind auf die erhöhte Anzahl Unfälle auf den Strassen zurückzuführen. Die schlechten Strassenverhältnisse können auch die medizinische Hilfe beeinträchtigen. Nicht nur Unfälle, sondern auch Staus können für Verkehrsteilnehmer gefährlich werden – bei sehr langen Staus kann es sogar vorkommen, dass Personen aus den stehenden Autos evakuiert werden müssen, damit sie der Kälte nicht ausgesetzt bleiben. Nicht nur der Strassenverkehr ist stark beeinträchtigt – auch der Schienen- sowie der Flugverkehr haben mit der Kälte und dem Eis zu kämpfen.

Aufgrund der mit der Kälte einhergehenden Trockenheit verschlechtert sich auch die Luftqualität. Vor allem Kinder und ältere Menschen sind besonders anfällig auf Infektionskrankheiten der Atemwege, wie z. B. Erkältungen und die Grippe. Kleinere Fliess- und Stillgewässer fallen trocken oder frieren durch. Unter Umständen können auch grössere Gewässer teilweise oder ganz gefrieren, wie z. B. bei der Seegfrörni des Pfäffikersees bei Pfäffikon ZH 2012.

Auf dem zugefrorenen See sind Menschen auf Schlittschuhen, Schlitten oder zu Fuss in grossen Mengen unterwegs. Vorne im Bild ist eine Absperrung eines nicht für die Bevölkerung zugänglichen Teils.
Der Pfäffikersee bei Pfäffikon ZH ist 2002, 2006 und hier 2012 vollständig gefroren, sodass er von der Gemeinde für die Bevölkerung freigegeben wurde.

Sachschäden und Bewältigungskosten werden auf etwa 500 Mio. CHF geschätzt. Der Ausfall an Wertschöpfung wird auf etwa 200 Mio. CHF geschätzt. Schweizweit sterben rund 100 Menschen direkt oder indirekt an den Folgen einer Kältewelle wie in diesem Szenario. Rund 700 Personen erleiden schwere Verletzungen – leicht- bis mittelschwer verletzt werden einige tausend Personen.

Risikobeurteilung und Vergleich mit anderen Risiken

Eine Kältewelle dieser Intensität ist in der Schweiz grundsätzlich vorstellbar, aber doch selten zu erwarten. Gemäss der Nationalen Gefährdungsanalyse des BABS ist eine Kältewelle weniger häufig zu erwarten als eine Pandemie oder eine Strommangellage; jedoch häufiger als Hochwasser oder ein starkes Erdbeben. Auch der monetarisierte Schaden einer Kältewelle ist tiefer als der eines Sturms, einer Pandemie oder bei Hochwasser. Eine Kältewelle kommt etwa gleich teuer zu stehen wie starker Schneefall in grossen Teilen der Schweiz.

Vorsorge und Verhaltensanweisungen: Was können Sie tun?

Länger anhaltende Kälteperioden führen zu Schäden an der Infrastruktur, z. B. Strassen, Schienen und Wasserleitungen. Aufgrund von schlechten Strassenverhältnissen kann die Mobilität eingeschränkt sein. Leitungen können einfrieren und die Wasserversorgung beeinträchtigen. Auch Einschränkungen in der Stromversorgung sind möglich. Durch die ungewöhnlich kalten Aussentemperaturen sind Sie anfälliger auf Erkrankungen wie Erkältungen und Grippe.

  • Vermeiden Sie nach Möglichkeit Aussenaktivitäten und Autofahrten. Wenn Strassenglätte auftritt, sollten Sie Ihr Verhalten vor allem im Strassenverkehr den Verhältnissen anpassen.
  • Bereiten Sie sich auf einen möglichen Stromausfall vor.
  • Bodenfrost kann Schäden an Pflanzen und Kulturen verursachen sowie die Bauwirtschaft behindern.

Bereit für alle Fälle

Beachten Sie die Empfehlungen zu Notvorrat und Notfallapotheke sowie zu den Vorbereitungen betreffend Notunterkunft und Notgepäck im Alertswiss Notfallplan.

Ein Click auf das Bald führt Sie auf die Alertswiss-Homepage, wo Sie den Notfallplan als PDF zum ausfüllen herunterladen können. Weitere Informationen

  • Die vollständige Ausführung der Informationen, die in diesem Blogartikel angesprochen werden, finden Sie im Gefährdungsdossier Kältewelle.
  • Informationen zu weiteren Gefahren finden Sie im Bereich Gefahren kennen.
  • Weitere Informationen zum Verhalten bei Frost und Strassenglätte finden Sie im Naturgefahrenportal, wo auch die aktuelle Lage sowie Warnungen herausgegeben werden.
  • Informationen zur Wetterlage sowie eine aktuelle Einstufung der Situation finden Sie ausserdem bei MeteoSchweiz.

 

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