Alertswiss Navigation

Keystone
1 Dezember 2017

Gefahren kennen: Starkschneefälle

Welche Gefährdungen gibt es für die Schweizer Bevölkerung? Wie könnte ein grosses Schadenereignis in der Schweiz konkret ablaufen? Welche Auswirkungen hätte dies auf Mensch, Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft in der Schweiz? Und was können Sie selber tun, um sich besser zu schützen?

Mit der nationalen Gefährdungsanalyse von «Katastrophen und Notlagen Schweiz» schafft das Bundesamt für Bevölkerungsschutz BABS Grundlagen für die vorsorgliche Planung und Ereignisvorbereitung. In diesem Rahmen wird für jede untersuchte Gefährdung ein Referenzszenario definiert. Damit gibt das BABS wissenschaftlich fundierte und breit abgestützte Antworten auf die einleitend gestellten Fragen. Im Alertswiss-Blog informieren wir Sie regelmässig über die Ergebnisse dieser Gefährdungsanalyse.

Auch wenn nicht jeder Winter in der Schweiz von besonders starken Schneefällen begleitet wird, kann viel Neuschnee landesweit zum Problem werden und gravierende Auswirkungen auf die Bevölkerung und die Infrastruktur haben. Diese Auswirkungen können Stromleitungen betreffen, aber auch den Strassen- und Schienenverkehr, Gebäude, die Lebensmittelversorgung und vieles mehr. Das in der Gefährdungsanalyse gewählte Szenario ist in der Schweiz selten zu erwarten, bleibt jedoch grundsätzlich vorstellbar. Daher zählt das BABS starke Schneefälle zu den für den Schweizer Bevölkerungsschutz relevantesten Gefährdungen.

Worum geht es?

Starkschneefälle führen zu Behinderungen im Strassen- und Schienen- und Luftverkehr. Bei länger anhaltenden Starkschneefällen werden vor allem in der Gebirgsregion Strassen und Eisenbahnlinien geschlossen. Im Hochgebirge steigt dabei die Lawinengefahr, was wiederum zur Schliessung von Strassen und Eisenbahnlinien führen kann. Bei mehreren sich folgenden kräftigen Schneefällen kann auch im Flachland die Schneelast auf Dächern gross werden, was Schäden an Dächern verursachen und bei geneigten Dächern Dachlawinen auslösen kann. Starkschneefälle sind in der Schweiz vor allem im Alpengebiet ein bekanntes Problem.

Ereignisbeispiele

Referenzszenario: Möglicher Ereignisablauf bei starkem Schneefall

In einem bereits sehr schneereichen Winter kommt es aufgrund der Grosswetterlage im Februar zu drei Tagen dauernden und starken Schneefällen. Im Mittelland liegen verbreitet bereits rund 30 cm Schnee, im Verlauf der drei Tage wächst die Schneedecke auf über einen Meter an. Die Niederschläge werden von starken Winden begleitet, wodurch es stellenweise zu Schneeverfrachtungen kommt.

Obwohl die Räummannschaften rund um die Uhr arbeiten, wird die Lage auf Strasse und Schiene immer angespannter. Bald schon muss auf die Räumung von Nebenstrassen verzichtet werden, und sogar Teile der Autobahn sind nur noch einspurig befahrbar.

Mit der Anspannung der Situation werden immer mehr Gemeindeführungsstäbe sowie Regionale und Kantonale Führungsstäbe aktiviert. Trotz der Tatsache, dass die Kantonalen Führungsstäbe für die Schneeräumung rasch Unterstützung durch die Armee beantragen, kommt der Verkehr nach rund zwei Tagen nach Einsetzen der Schneefälle zum Erliegen. Tausende Personen, die in ihren Fahrzeugen feststecken, müssen mit Hilfe der Rettungskräfte evakuiert werden. Es müssen Zivilschutzanlagen und Turnhallen bereitgestellt werden, um die Evakuierten zu versorgen.

Durch das grosse Gewicht der Schneedecke, aber auch durch umstürzende Bäume werden oberirdische Strom- und Telefonleitungen teilweise beschädigt, was zu lokalen Stromunterbrüchen und Ausfällen der Festnetztelefonie führt.

Die anhaltenden Schneefälle und allgemein schlechte Witterungsverhältnisse erschweren die Arbeit der Einsatzkräfte zusehends. Unfallorte können teilweise nicht mehr oder nur mühsam von Polizei, Feuerwehr und Sanität erreicht werden.

Die starken Schneefälle wirken sich bereits nach rund zwei Tagen merklich auf die Güterversorgung aus. Viele Produkte können nicht mehr zeitgerecht und in ausreichenden Mengen ausgeliefert werden, weshalb es besonders in Lebensmittelläden zu Hamsterkäufen kommt, welche die angespannte Situation wiederum weiter verschärfen.

Nach drei Tagen lassen die starken Schneefälle nach und werden durch ein Hochdruckgebiet abgelöst. Da die Temperaturen in den nächsten Tagen jedoch konstant unter dem Gefrierpunkt liegen, entspannt sich die Situation nur langsam. So bleiben viele Verkehrswege weiterhin blockiert, Stromleitungen unterbrochen und Gebäude einsturzgefährdet. Die Räumungsmannschaften kommen nun jedoch rasch voran, und auch die Reparaturen von beschädigten Leitungen werden aufgenommen. Innerhalb von rund drei Tagen nach Ende der starken Schneefälle sind fast alle beschädigten Leitungen zumindest provisorisch repariert

Referenzszenario: Mögliche Auswirkungen

Die starken Schneefälle führen zu Beginn vermehrt zu Unfällen im Strassenverkehr. Zahlreiche Personen werden verletzt oder müssen unterkühlt aus ihren steckengebliebenen Fahrzeugen gerettet werden. Unter der Schneelast können zudem Gebäudedächer einstürzen und Personen verletzen. Die schlechten Strassenverhältnisse schränken die medizinische Notversorgung wie auch den Transport von Verletzten erheblich ein. Auch Helikopter können zur Bergung von Personen aufgrund der schlechten Sicht kaum eingesetzt werden.


Die im Referenzszenario beschriebenen starken Schneefälle wirken sich auch direkt auf die hiesige Wirtschaft aus. Neben den Schäden an Gebäuden und Infrastruktur sowie den lokalen Stromausfällen kommt es besonders aufgrund von fehlendem Personal und ausbleibenden Warenlieferungen zu Produktionsengpässen und –ausfällen. Diese führen ihrerseits vielerorts zu Versorgungsengpässen mit Gütern des täglichen Bedarfs und Lebensmitteln.

Der Strassen-, Schienen- und Luftverkehr ist während den Schneefällen nur sehr eingeschränkt möglich, Strassen und Autobahnen können immer weniger freigehalten werden, es kommt während Tagen zu Zugsausfällen. Auch an den Flughäfen sitzen zahlreiche Passagiere fest, da zahlreiche Flüge gestrichen werden müssen.

Die Schneemassen setzen auch der Stromversorgung zu. Überirdische Stromleitungen sowie Telefonleitungen können unter der Last der grossen Schneedecke zusammenbrechen und zu Stromausfällen und Unterbrüchen in der Festnetztelefonie führen.

Insgesamt wird der materielle Schaden für die im Szenario angenommenen Schneefälle auf 200 Mio. Franken geschätzt.

Risikobeurteilung und Vergleich mit anderen Risiken

Die Eintrittswahrscheinlichkeit des beschriebenen Szenarios lässt sich aufgrund von Erfahrungswerten der letzten Jahrzehnte relativ genau einordnen. Ein solches Szenario mit der Intensität «gross» ist in der Schweiz grundsätzlich vorstellbar, aber selten zu erwarten. Gemäss der Nationalen Gefährdungsanalyse des BABS haben starke Schneefälle in grossen Teilen des Mittellands etwa dieselben finanziellen Auswirkungen wie eine Kältewelle und kommen ungefähr so oft vor wie ein Störfall in einem Chemiebetrieb oder eine Tierseuche.

Vorsorge und Verhaltensanweisungen: Was können Sie tun?

Obwohl Ereignisse, wie sie das Referenzszenario beschreibt, in der Schweiz nur selten vorkommen, ist es wichtig zu wissen, wie Sie sich im Ereignisfall verhalten sollten. Grundsätzlich gelten bei starkem Schneefall folgende Verhaltensanweisungen:

  • Meiden Sie die Nähe zu Bäumen und Dächern (Gefahr durch umstürzende Bäume, abbrechende Äste, Dachlawinen).
  • Bleiben Sie bei erhöhter Lawinengefahr in den Gebäuden und schliessen Sie die Fensterläden bergseits und seitlich.
  • Holen Sie Informationen über die aktuelle Entwicklung ein und befolgen Sie die Anweisungen der lokalen Behörden.

Je nach Intensität der Schneefälle können weitere Verhaltensanweisungen herausgegeben werden. Es gilt daher, immer den Anweisungen der Behörden und Einsatzkräften zu folgen, die via Radio übermittelt werden.

Bereit für alle Fälle

Beachten Sie die Empfehlungen zu Notvorrat und Notfallapotheke sowie zu den Vorbereitungen betreffend Notunterkunft und Notgepäck im Alertswiss Notfallplan.

Das Bild zeigt ein iPad sowie ein iPhone, auf denen jeweils der Notfallplan geöffnet ist. Ein Click auf das Bild führt Sie zum Alertswiss-Notfallplan. Weitere Informationen

  • Die vollständige Ausführung der Informationen, die in diesem Blogartikel angesprochen werden, finden Sie im Gefährdungsdossier Starker Schneefall.
  • Informationen zu weiteren Gefahren finden Sie im Bereich Gefahren kennen.
  • Weitere Informationen zum Verhalten bei starken Schneefällen, Frost und Strassenglätte finden Sie im Naturgefahrenportal, wo auch die aktuelle Lage sowie Warnungen herausgegeben werden.
  • Informationen zur Wetterlage sowie eine aktuelle Einstufung der Situation finden Sie ausserdem bei MeteoSchweiz.

 

Schlagwörter: ,

Beitrag teilen:

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *