29 Dezember 2016

Blackout: Wie wird das Risiko reduziert?

Der Bund, die Kantone und die Wirtschaft haben zahlreiche Massnahmen geplant, um im Hinblick auf einen schwerwiegenden Stromausfall gerüstet zu sein. Einerseits soll ein solchen Ereignis überhaupt verhindert werden, andererseits sollen Vorbereitungen einen allfälligen Stromausfall möglichst gut bewältigen helfen. Noch sind nicht alle notwendigen Massnahmen realisiert.

Angesichts der enormen Schäden, die bei einem Stromausfall
oder einer länger andauernden Strommangellage
entstehen können, gilt die Stromversorgung in der Schweiz
als kritische Infrastruktur. Im Rahmen der Umsetzung der
nationalen Strategie zum Schutz kritischer Infrastrukturen
(SKI) werden verschiedene Massnahmen getroffen, um
die entsprechenden Risiken zu reduzieren. Verschiedene
Arbeiten zielen darauf zu verhindern, dass sich ein gravierender
Stromausfall ereignet. Beispielsweise hat das Bundesamt
für Bevölkerungsschutz BABS zusammen mit dem
Übertragungsnetzbetreiber Swissgrid und den zuständigen
Fachbehörden (u. a. Bundesamt für Energie BFE,
Eidg. Elektrizitätskommission ElCom und Bundesamt für
wirtschaftliche Landesversorgung BWL) die Resilienz,
d. h. die Widerstands- und Regenerationsfähigkeit, des
Übertragungsnetzes überprüft.

Basierend auf dem SKI-Leitfaden des BABS wurden ausgewählte Risiken analysiert, die zu einem Ausfall im Übertragungsnetz führen könnten. Anschliessend wurden verschiedene Massnahmen definiert, die die Robustheit der Anlagen und Systeme von Swissgrid stärken. Unter anderem werden dazu die relevanten Anlagen (z. B. Unterwerke) zusätzlich gehärtet und der Schutz der IT-Systeme verbessert.

Einsatzplanungen zum Schutz von Anlagen

Um Ausfälle von kritischen Infrastrukturen nach Möglichkeit zu verhindern, erarbeiten die Partner im Bevölkerungsschutz und die Armee zusammen mit den Infrastruktur- Betreibern ebenfalls vorsorgliche Einsatzplanungen zum Schutz von strategisch besonders wichtigen Objekten aus dem SKI-Inventar. Darunter fallen verschiedene Einrichtungen der Stromversorgung (wichtige Unterwerke, Netzleitstellen usw.). Diese Planungen beinhalten Einsatzdispositive im Hinblick auf relevante Risiken wie Naturgefahren, Sabotage oder Terrorismus. Verschiedene Arbeiten im Zuge der Umsetzung der nationalen SKI-Strategie beschäftigen sich mit der Vorbereitung auf einen allfälligen Stromausfall. Unter anderem wird in Risiko- und Verwundbarkeitsanalysen für übrige kritische Teilsektoren (Banken, Spitäler usw.) geprüft, ob ein mehrtägiger Stromausfall zu gravierenden Störungen führen könnte. Ist mit schweren Folgeschäden für die Bevölkerung und Wirtschaft zu rechnen, werden Massnahmen erarbeitet, um die Versorgung mit wichtigen Gütern und Dienstleistungen aufrechtzuerhalten.

Sollte es zu einem massiven Stromausfall kommen, ist es wichtig, möglichst gut vorbereitet zu sein. Im Rahmen ihrer Gefährdungsanalysen und Vorsorge («Kataplan») haben sich zahlreiche Kantone mit dieser Thematik auseinandergesetzt und entsprechende Planungen erstellt. Der Kanton Freiburg beispielsweise hat einen kantonalen Einsatzplan «Stromversorgungsunterbruch» erarbeitet. Das rund 90-seitige Dokument bietet einen roten Faden für die Führungsorgane, Einsatzkräfte, Verteilnetzbetreiber und lebenswichtigen Unternehmen. Es enthält auch einen umfassenden Massnahmenkatalog für alle betroffenen Stellen.

Heutzutage verfügen viele Gebäude über Notstromanlagen. Fällt bei einem grossflächigen Stromausfall aber auch die Telekommunikation aus, nützt dies unter Umständen nichts.
Heutzutage verfügen viele Gebäude über Notstromanlagen. Fällt bei einem grossflächigen Stromausfall aber auch die Telekommunikation aus, nützt dies unter Umständen nichts.

16 Empfehlungen

Auf Stufe Bund existiert eine Vorsorgeplanung Stromausfall, die letztmals 2011 unter dem mittlerweile aufgelösten Stab Sicherheitsausschuss aktualisiert wurde. Bund und Kantone haben die Bewältigung einer länger andauernden Strommangellage in der Sicherheitsverbundsübung 2014 geübt. Basierend auf dieser Übung wurden 16 Empfehlungen zur Verbesserung der Krisenbewältigung verfasst, die in insgesamt 42 einzelne Massnahmen unterteilt wurden. Die meisten davon befinden sich derzeit in der Umsetzung, bei der Berichterstattung an den Bundesrat im Frühling 2016 waren elf bereits abgeschlossen.

Sicheres Kommunikationsnetz

In der heutigen digitalisierten Gesellschaft und Wirtschaft ist die Telekommunikation von nahezu gleich grosser Bedeutung wie die Stromversorgung. Problematisch ist vor allem die Tatsache, dass im Falle eines schwerwiegenden Stromausfalls innert kurzer Zeit auch keine Mobil- und Festnetztelefonie respektive Datenkommunikation (Stichwort Internet) mehr möglich ist. Dadurch wird der Nutzen der Vorbereitungen auf den Stromausfall reduziert. Risiko und Verwundbarkeitsanalysen im Bereich der kritischen Infrastrukturen haben gezeigt, dass mittlerweile zwar viele besonders wichtige Standorte wie Führungsanlagen oder Rechenzentren mit grossem Aufwand mit Notstromanlagen ausgerüstet wurden. Da bei einem Stromausfall zwischen und mit diesen Standorten jedoch keine Datenkommunikation mehr möglich ist, kommt es dennoch zu einem Ausfall von wichtigen Dienstleistungen.

Beispielhaft zeigt sich dies bei der Berechnung von meteorologischen Modellen, wie sie etwa für Niederschlagsprognosen bei Hochwassergefahr oder für Windausbreitungsmuster im Falle einer radioaktiven Verstrahlung benötigt werden. Die entsprechenden Modelle beziehen Daten aus verschiedenen Rechenzentren bzw. Messeinrichtungen, die zwar einzeln jeweils über eine gewisse Notstromversorgung verfügen. Da aber die Übertragung der entsprechenden Daten bei einem grösseren Stromausfall nicht mehr funktioniert, können die je nach Lage eminent wichtigen Prognosen nicht mehr adäquat erstellt werden.

Ein ausfallsicheres Datenkommunikationsnetz ist deshalb aus gesellschaftlicher und volkswirtschaftlicher Sicht von übergeordneter Bedeutung. Das BABS will mit dem Sicheren Datenverbundnetz (SDVN) ein entsprechendes Vorhaben realisieren. An das SDVN sollen unter anderem die relevanten Stellen von Bund und Kantonen sowie Betreiber von kritischen Infrastrukturen angeschlossen werden. Der Bundesrat hat das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VBS beauftragt, ihm bis spätestens Ende 2016 eine Auslegeordnung zu allen bevölkerungsschutzrelevanten Alarmierungs-, Informations- und Kommunikationssystemen zu unterbreiten, damit er über die Priorisierung und das weitere Vorgehen dieser Systeme und Vorhaben entscheiden kann. In diesem Zusammenhang wird der Bundesrat auch über das weitere Vorgehen in Bezug auf SDVN entscheiden.

Selbstvorsorge von Bevölkerung und Wirtschaft

Um das Schadenausmass bei einem gravierenden Ausfall der Stromversorgung zu reduzieren, ist es wichtig, dass sowohl die betroffene Bevölkerung als auch die Wirtschaft möglichst gut vorbereitet sind. Neben den spezifischen Verhaltensempfehlungen ist die allgemeine Vorbereitung der Bevölkerung von zentraler Bedeutung: Es geht also darum, die Bevölkerung nicht nur im Ereignisfall darauf aufmerksam zu machen, dass etwa alle Geräte vom Netz getrennt und bei wieder funktionierender Stromversorgung einzeln an das Netz angeschlossen werden sollten, um eine Netzüberlastung zu verhindern. Vielmehr soll der Bevölkerung bereits in der ereignisfreien Zeit eine Vorratshaltung empfohlen werden, weil ein Stromausfall zu Problemen im Bereich der Trinkwasser- und Lebensmittelversorgung führen kann.

Die Wirtschaft sollte sich vorbereiten, indem die Unternehmen beispielsweise über ein Business-Continuity-Management verfügen. Damit kann gewährleistet werden, dass geschäftsrelevante Prozesse und Funktionen möglichst aufrechterhalten werden können. Unter www.strom-ratgeber.ch hat das BWL zahlreiche Empfehlungen für einzelne Branchen publiziert.

Äusserst lohnende Investition

Die verschiedenen abgeschlossenen und laufenden Arbeiten zeigen, dass Bund und Kantone grosse Anstrengungen unternehmen, um das Risiko in Bezug auf gravierende Ausfälle der Stromversorgung zu reduzieren. Die entsprechenden Planungen und Massnahmen sind mitunter kostenintensiv. Deshalb konnten noch nicht alle notwendigen Vorkehrungen getroffen werden. Angesichts der enormen gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Schäden, die ein Blackout oder eine lang anhaltende Strommangellage verursachen können, stellen diese Kosten jedoch eine äusserst lohnende Investition dar.

Am 2. Januar 2017 dreht sich beim Schweizer Radio und Fernsehen SRF alles um das Thema Blackout. Der Thementag «SRF Blackout» beginnt auf SRF 1 um 13:00 Uhr und läuft bis 22.00 Uhr.

Beitrag teilen:

Kommentare (2)

  1. Ursula Rheinganz sagt:

    3.3.7. Inselbetrieb (6)
    Betrieb eines Teils des Elektrizitätsnetzes (Insel), der eigenständig und ohne Austausch mit dem Hauptnetz funktioniert. ….
    (6) Da sein Betrieb beträchtliche Investitionen erfordert, ,,,,wird der
    Inselbetrieb im gegenwertigen Einsatzplan nicht als mögliche Lösung betrachtet, … nicht angewendet, um einem Blackout entgegen zu stehen
    Wie hoch wurden denn die erforderlichen Investitionen geschätzt? Würde das wirklich soviel mehr kosten als ein Blackout? Neben dem das dadurch auch viel Leid verhindert würde.

    • Die entsprechenden Abschätzungen wurden vom Kanton Freiburg vorgenommen. Wir verfügen über keine zusätzlichen Informationen zu möglichen Kostenschätzungen. In Bezug auf einen allfälligen Inselbetrieb ist zu beachten, dass im entsprechenden Inselnetz genau gleich viel Strom produziert werden muss, wie verbraucht wird. Der Kanton Freiburg hat einen durchschnittlichen Stromverbrauch, der in etwa der Leistung des Kernkraftwerks Mühleberg entspricht. Zudem muss die Netztopologie entsprechend ausgestaltet sein. Weiter gilt es neben dem Schadensausmass eines möglichen Blackouts auch die Eintretenswahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses zu berücksichtigen. Ein überregionaler Blackout von mehreren Tagen ist etwa alle 30 bis 100 Jahre zu erwarten. Dementsprechend erscheint es plausibel, dass die Investitionen zur Ermöglichung eines Inselbetriebs zu hoch sind.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *