15 April 2021

Munition im See – das Labor Spiez hilft die Auswirkungen zu analysieren

Im März 2021 wurden auf dem Schiessplatz der Luftwaffe in Forel am Neuenburgersee Wasser- und Sedimentproben entnommen, um die längerfristigen Auswirkungen von verschossener und nicht explodierter Munition zu untersuchen. Für einen Teil der Probe-Analysen zeichnet sich das Labor Spiez im Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) zuständig.

Ende März am Ufer des Neuenburgersees im freiburgischen Forel: Taucher der armasuisse und vom Kommando für Kampfmittelbeseitigung und Minenräumung der Armee entnehmen an unterschiedlichen Stellen unweit des Ufers Sedimentproben aus dem Seegrund. Was diesen Bereich des Sees von anderen Stellen des Neuenburgersees unterscheidet, ist der Umstand, dass die Schweizer Luftwaffe hier seit fast hundert Jahren den Beschuss von Bodenzielen trainiert. 4’500- 5’000 Tonnen Munitionsrückstände sollen sich inzwischen im betroffenen Gebiet auf dem Seegrund befinden. Das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) führte nun in diesem Bereich, ganz in der Nähe des Naturschutzgebietes Grande Cariçaie, Wasser- und Sedimentanalysen durch.

Im seichten Wasser leicht zu erkennen: Munitionsrückstände bei Forel (Bild: VBS/DDPS, Joddie Pasche)

Nicht die ersten Untersuchungen in Forel

Während heutzutage nur noch Übungsmunition ohne Explosivstoffe verschossen wird, trainierte die Schweizer Luftwaffe in Forel während des Zweiten Weltkriegs auch mit scharfer Munition, weshalb heute noch Blindgänger im See vermutet werden. Die Auswirkungen dieser Blindgänger auf die Wasserqualität war auch der Anlass für die Untersuchung in Forel, welche gemäss einem Konzept für Wasser- und Sedimentanalyse durchgeführt wird, das armasuisse Wissenschaft und Technologie zusammen mit dem Labor Spiez entwickelt hat.

Wo genau die Proben entnommen werden, erfolgt streng nach Plan (Bild: VBS/DDPS, Joddie Pasche)

Bereits 2015 hat das VBS Wasserproben vom Schiessplatz Forel untersucht. Die damaligen Untersuchungen haben gezeigt, dass zwar ein Anstieg der Kupfer- und Zinkkonzentration im Seewasser unmittelbar nach dem Beschuss des Geländes zu verzeichnen ist. Diese Unterschiede waren jedoch auch bei den Referenzstandorten nachweisbar. Die Schwermetallgehalte lagen unter den Grenzwerten der Gewässerschutzverordnung und der Fremd- und Inhaltsstoffverordnung.

Bereit fürs Labor: Sedimentproben aus Forel (Bild: VBS/DDPS, Joddie Pasche)

Sechs Jahre später möchte das VBS die Wasserqualität erneut kontrollieren. Insgesamt werden im aktuellen Sperrgebiet und den ehemaligen Zielgebieten, die zwischen 1928 und 1929 genutzt wurden, elf Wasser- und zwölf Sedimentproben entnommen. Zu Vergleichszwecken werden auch seeabwärts und seeaufwärts Wasser- und Sedimentproben entnommen. Die Wasserproben werden rund 30 Zentimeter über dem Seegrund entnommen, die Sedimentproben in maximal 30 bis 50 Zentimetern Bodentiefe. Im Laufe des Sommers wird das VBS einen detaillierten Bericht zu den Ergebnissen verfassen. Die Analysen sind ein erster Schritt, um den Bedarf an weiteren Massnahmen zu beurteilen. Das weitere Vorgehen soll mit dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) den Kantonen Freiburg, Waadt und Neuenburg sowie den Naturschutzorganisationen Pro Natura und Grande Cariçaie besprochen werden.

Zumeist mutet die Umgebung ziemlich idyllisch an (Bild: VBS/DDPS, Joddie Pasche)

Expertise für alte Munition in Schweizer Seen

Das Labor Spiez ist mit der Analyse der Proben auf Schwermetalle betraut, während das Labor Bachema die Proben bezüglich Explosivstoffe analysiert. Für das Labor Spiez sind derartige Untersuchungen kein Neuland, da es es bereits mehrfach das Wasser von Seen auf Verunreinigungen durch Sprengstoffreste untersucht hat: Denn während es sich in Forel um Munition handelt, die von der Schweizer Luftwaffe in Übungen verschossen wird, wurden nach dem Zweiten Weltkrieg tausende Tonnen an unverbrauchter Munition in den Urner See und den Thunersee entsorgt, auf deren Grund diese grösstenteils noch heute liegen.

Die Untersuchungen durch die Gruppe Umweltanalytik des Labor Spiez haben bereits 2006 und 2007 den Befund gestützt, dass von der versenkten Munition keine Gefahr durch Verunreinigung für das Seewasser ausgeht (-mehr dazu im Jahresbericht 2008). So konnten damals im Thunersee die gefährdungsrelevanten Stoffe TNT, Dinitrobenzol, Quecksilber und Blei nicht nachgewiesen werden. Zudem zeigte ein Worst-Case-Szenario bei Stofffreisetzung auf, dass die Grenzwerte der Altlastenverordnung auch in Zukunft nicht erreicht werden würden. Seither empfehlen Experten grundsätzlich, von einer Bergung dieser alten Munition abzusehen, da diese gemäss den gewonnenen Erkenntnissen kein ökologisches Risiko darstelle. Trotzdem wird das Seewasser an den betroffenen Stellen seither im Sinne der Vorsorge immer wieder neu untersucht.

 

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